ÖPNV weiterhin bezahlbar und kreisweit fair gestalten: Linie 265 wird nach vier Jahren Probebetrieb Mitte Dezember eingestellt
Verkehr (allgemein)
Politische Entscheidung vor dem Hintergrund der strukturellen Unterfinanzierung des Kreises / RTK möchte Stundentakt in der Fläche und die Preise halten – trotz massiv steigender Kosten / Hintergrund: Kosten für bestehendes ÖPNV-Angebot steigen jährlich um bis zu 800.000 Euro
Die Buslinie 265 – die sogenannte Kreisquerverbindung zwischen Idstein, Taunusstein und Eltville - wird nach dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 nicht fortgeführt. Der zuständige Verkehrsausschuss des Rheingau-Taunus-Kreises hat dies in seiner Sitzung am 27. Mai beschlossen. Die Entscheidung der Politik basiert auf den im Probebetrieb festgestellten Fahrgastzahlen, den enormen Kostensteigerungen im ÖPNV und der strukturellen Unterfinanzierung der kommunalen Ebene.
Landrat und Verkehrsdezernent Sandro Zehner erklärt: „Das war eine harte Debatte in der ersten Sitzung des neu gewählten Verkehrsausschusses und auch gerechtfertigt, angesichts der schwierigen Aufgabe trotz massiver finanzieller Zwänge ein gerechtes, verlässliches und bezahlbares Mobilitätsangebot für den gesamten Landkreis zu sichern. Aber der ÖPNV wird auf Basis von Ticketpreisen und Steuergeld finanziert, Mehrkosten schlagen sich also entweder in steigenden Fahrtkosten oder der Grundsteuer B nieder. Hier gilt es also sorgsam abzuwägen: Welches Angebot tatsächlich für die Breite relevant und zu rechtfertigen ist.“
Das Thema war genau jetzt Thema im Ausschuss, weil über eine mögliche Verlängerung der Linie und die gleichzeitige Neuausschreibung von drei Linienbündeln fristgerecht entschieden werden musste. Die Linie 265 verursacht derzeit jährliche Kosten von mindestens rund 1,32 Millionen Euro. Bei einer Fortführung über den momentanen Probebetrieb hinaus waren künftig Kosten von rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr zu erwarten. Der nun politisch beschlossene Entfall und die dadurch freiwerdenden Mittel, ermöglichen es dem Landkreis auch im Sinne der 17 Kommunen und der Bürgerinnen und Bürger das bestehende ÖPNV-Angebot preisstabil fortzuführen. Denn auch ohne Ausweitung des Angebots erhöhen sich die Kosten durch Energie- und Lohnkostensteigerungen für den Nahverkehr im Rheingau-Taunus-Kreis um rund 600.000 bis 800.000 Euro pro Jahr.
Zusätzlich gibt es erste Gespräche mit dem RMV, um zu klären ob bestehende Expresslinien, wie beispielsweise die X79, erweitert werden können. Da die Linie 265 erst im Dezember entfällt, steht die Linie auch in der Zeit der Korridorsanierung auf der rechten Rheinseite (zusätzlich zu den Schienenersatzverkehren) zur Verfügung.
Massive Kostensteigerungen verteuern bestehendes ÖPNV-Angebot im RTK jedes Jahr
Der Kreishaushalt befindet sich bei einem strukturellen Jahreshaushaltsdefizit in Höhe von über 25 Millionen Euro unter ständiger Überwachung der Kommunalaufsicht beim Regierungspräsidium. Angebote, die das nötige Grundvolumen des ÖPNV übersteigen, stehen dort auch im Fokus. Der Öffentliche Personennahverkehr (inklusive Schülerverkehr) wird durch den RTK jährlich bereits mit fast 16 Millionen Euro maßgeblich unterstützt.
Sandro Zehner ergänzt: „Wir wollen in unserem Landkreis den Stundentakt in der Fläche genauso stabil halten, wie die Preise für die Fahrgäste - trotz massiv steigender Kosten. Die Linie 265 war auf vier Jahre Probebetrieb angelegt. Die Bewertung dieser vier Jahre ist sachlich und zahlenbasiert auf Basis der tatsächlichen Nutzung erfolgt und auf dieser Grundlage hat die Politik jetzt eine sorgsam abgewogene entsprechende politische Entscheidung getroffen.“
Nutzung der freiwerdenden Mittel und mögliche Alternativen im ÖPNV-Angebot
RTV-Geschäftsführer Arno Brandscheid betont abschließend: „Wir haben nach wie vor einen sehr guten ÖPNV im Rheingau-Taunus-Kreis. Im ländlichen Raum einen Stundentakt zu fahren, das gibt es nur in sehr wenigen Landkreisen – da sind wir weit vorne. Diese qualitativ hochwertige Versorgung sicher zu stellen, muss immer das Ziel sein für uns als Verkehrsdienstleister und für die politischen Entscheidungsträger Unsere Grundversorgung stärken wir übrigens auch über den Ausbau der On Demand Verkehre. Der Verkehrsversuch „Taunus FLEX“ läuft seit gut einem halben Jahr vielversprechend an. Vergleichbare Angebote werden auch im Rheingau folgen. Gemeinsam mit der Politik sind wir intensiv daran, den ÖPNV von morgen schon heute im RTK sicherzustellen.“
