Gemeinsam in die Zukunft gestartet: Rheingau-Taunus-Kreis übergibt Sozialraumprojekt „Lorch vernetzt sich“ an die Stadt
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Staffelübergabe im Hilchenhaus schließt Aufbauphase des Pilotprojekts nach zweieinhalb Jahren ab / Sechs Arbeitsgruppen und rund 50 Aktive haben unter anderem fünf Mitfahrerbänke, ein Netzwerk für Klimaschutz und einen Runden Tisch für Familien entwickelt / Landrat Sandro Zehner: Der Ansatz soll in weiteren Städten und Gemeinden im Kreis folgen
Zukunft im Rheingau-Taunus-Kreis entwickelt sich nicht am grünen Tisch, sondern direkt mit den Menschen vor Ort. Eins der wichtigsten Pilotprojekte für die Weiterentwicklung der Städte und Gemeinden im RTK geht jetzt in die nächste Phase: Mit einer Staffelübergabe übergibt der RTK das Sozialraumprojekt „Lorch vernetzt sich“ offiziell an die Stadt Lorch am Rhein. Nach rund zweieinhalb Jahren Aufbau- und Entwicklungsarbeit trägt die Stadt das Netzwerk künftig in Eigenregie weiter.
Landrat Sandro Zehner erklärt: „Wir haben in Lorch nichts in einer Amtsstube entworfen, sondern vor allem erstmal zugehört: bei Bürgerversammlungen, im Familienzentrum, in gemeinsamen Workshops. Genau das ist unser Anspruch - wir wollen nicht nur verwalten, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort gestalten. Deshalb ist das Sozialraumprojekt für mich ein Kernstück unserer Strategie für einen starken Landkreis: Wir fördern das Miteinander dort, wo die Menschen leben, arbeiten, einkaufen und ihre Freizeit verbringen.“
Zehner ergänzt: „Demokratie und Staat sind da wirksam, wo sie Vernetzen, Initiieren und Stärken – nicht einfach Aufgaben für Menschen und Gesellschaft dauerhaft übernehmen. Die Bürgerinnen und Bürger sind mündig und selbstwirksam – wir müssen die Räume dafür schaffen. Hier in Lorch ist es sichtbar gelungen, ein Fundament zu bauen, das noch viele Stockwerke tragen kann. Es sind Verbindungen geschaffen, es gab und gibt Mut, Lust zum Anpacken, es sind Dinge ausprobiert und besser gemacht worden. Das ist kein Leuchtturmprojekt, was trübe wird, wenn es nicht dauernd angeheizt wird: Es leuchtet auch künftig von selbst. Mein Dank gilt den vielen Lorcherinnen und Lorchern, die ihre Zeit eingebracht haben. Sie haben aus einer Idee ein Netzwerk gemacht, das trägt.“
Hinter dem Projekt steht der Ansatz der Sozialraumorientierung. Statt einzelne Angebote nebeneinander zu stellen, schaut der Kreis auf einen ganzen Lebensraum: Was ist vorhanden, was fehlt, und wer kann zusammenarbeiten, der bisher getrennt voneinander gearbeitet hat? Im Sozialraumprojekt sitzen deshalb Jugendhilfe, JobCenter, Gesundheit und Pflege, Bildung und Integration an einem Tisch, und zwar auch innerhalb der Kreisverwaltung selbst. Bearbeitet werden dabei genau die Themen, die den ganzen Rheingau-Taunus-Kreis beschäftigen: Perspektiven für junge Menschen, Ankommen und Integration, Mobilität im ländlichen Raum, Demografischer Wandel und Einsamkeit. Lorch am Rhein war als Pilotkommune bewusst gewählt, weil sich diese Themen hier gebündelt zeigen und weil die Stadt gleichzeitig gewachsene Strukturen und ein starkes Ehrenamt mitbringt, auf denen sich aufbauen lässt. Der Leitgedanke dahinter ist Prävention: Der RTK will vor die Lage kommen, statt hinterher Hilfen zu finanzieren. Wo Nachbarschaft, Vereine und Einrichtungen tragfähige Strukturen bilden, kann Zukunft leichter gesichert werden. Das ist zuerst ein Gewinn für die Menschen und am Ende auch für den Kreishaushalt.
Begonnen hatte alles im Januar 2024 mit einer Zukunftswerkstatt. Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Politik und die Kreisverwaltung trugen zusammen, was in Lorch gut läuft und was fehlt. Aus den Ideen wurden sechs Arbeitsgruppen, die sogenannten Cluster, zu den Themen Kommunikation und Vernetzung, Kinder und Jugend, Mobilität, Integration, Senioren sowie Klima und Energie. Rund 50 Aktive arbeiten in diesen Gruppen mit: Experten aus Kreisverwaltung und Stadt, Jugendhilfe, JobCenter, Gesundheit und Pflege, dazu Vereine, das Familienzentrum und viele Lorcherinnen und Lorcher, die einfach mitmachen wollten.
Die wichtigsten Ergebnisse der Aufbauphase in Lorch sind:
- Ein Netzwerk für Klimaschutz vor Ort, das von der Photovoltaikanlage über die Wärmepumpe bis zur energetischen Sanierung praxisnah weiterhilft.
- Der „Tag der Vereine“, ein aktualisiertes Vereinsregister und ein gemeinsamer Terminkalender für einen besseren Informationsfluss in der Stadt.
- Eine Sozial- und Familiensprechstunde im Familienzentrum auf dem Ranselberg, in der Fachkräfte aus Familienkasse, Wohngeldstelle, Existenzsicherung, JobCenter und Jugendhilfe gemeinsam beraten.
- Fünf Mitfahrerbänke in der Kernstadt, in Lorchhausen und auf dem Ranselberg, seit Juli 2026 in Betrieb und ergänzt um eine Mitfahr-Gruppe per WhatsApp. Weitere Standorte sind geplant.
- Eine Nachbarschaftshilfe für ältere und alleinlebende Menschen, basierend auf gezielten Befragungen älterer Lorcherinnen und Lorcher wird aufgebaut
- Der „Runde Tisch Lorch“ als regelmäßiges Netzwerk aller, die Angebote für Familien machen, ergänzt um die Ergebnisse einer Elternumfrage.
- Alle Unterstützungsangebote für Familien gebündelt auf der städtischen Homepage und zusätzlich über Plakate mit QR-Code erreichbar.
- Ein Kinder- und Jugendgremium, das jungen Menschen eine Stimme gibt und sich als erstes Vorhaben den neuen Jugendraum vorgenommen hat.
- Kurze Informationswege und Austausch über die neue Lorcher Infogruppe (WhatsApp Kanal)
Bei der Staffelübergabe wurde außerdem eine neue Arbeitsgruppe vorgestellt: „Genuss am Fluss. Feine Kultur selbstgemacht. Seufzer-Allee in Lorch am Rhein“ will kulturelle Angebote verbinden, die Vielfalt der Stadt zeigen und neue Orte der Begegnung schaffen. Die Gruppe Kinder und Jugend sucht weiter Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die Gruppe Integration begleitet neu zugezogene Menschen beim Ankommen.
Liane Schmidt, Fachbereichsleiterin Bildung, Familie und Gesundheit im RTK, erklärt: „Unterstützung wirkt am besten dort, wo die Menschen leben. Mit dem Pilotprojekt in Lorch wollten wir Bürgerinnen und Bürger, Einrichtungen, Vereine und die Stadt stärker miteinander vernetzen, vorhandene Möglichkeiten sichtbar machen und gemeinsam Maßnahmen für einen sozial starken Lebensraum entwickeln. Besonders beeindruckt hat uns, wie offen und interessiert die Lorcherinnen und Lorcher auf das Projekt zugegangen sind. Es sind Netzwerke entstanden, die zeigen: Ehrenamt, Verwaltung, Vereine und soziale Träger können gemeinsam viel verändern, und zwar dauerhaft.“
Für die Stadt Lorch nimmt Bürgermeister Oliver Lübeck den Staffelstab entgegen. „Der Kreis hat uns zweieinhalb Jahre lang den Rücken gestärkt, jetzt liegt es an uns, und genauso ist es richtig. Denn was hier gewachsen ist, ist ein Gemeinschaftsprojekt, dass die Gemeinschaft vor Ort gestärkt hat. Mir ist wichtig, dass niemand lange suchen muss, wo er sich einbringen kann: Die Arbeitsgruppen bleiben offen, die Tür im Rathaus auch. Und alle Stadtteile sollen etwas davon haben, von Lorchhausen bis Wollmerschied. Lorch gemeinsam bewegen ist für mich keine Überschrift, sondern ein Arbeitsauftrag für unsere Wisperstadt.“
Die Staffelübergabe beendet die Aufbauphase, nicht das gemeinsame Engagement. Die Stadt Lorch begleitet die Netzwerke und Arbeitsgruppen künftig weiter, führt die begonnenen Vorhaben fort und will neue Engagierte gewinnen. Der Rheingau-Taunus-Kreis bleibt dabei verlässlicher Partner und nimmt die Erfahrungen aus Lorch mit: Struktur, Methode und Materialien stehen weiteren Städten und Gemeinden zur Verfügung, als nächste Kommune ist Rüdesheim in Vorbereitung. Ziel ist es, die Sozialraumarbeit im gesamten Kreis zu verankern und dabei immer auf das Engagement der Menschen vor Ort zu setzen.
Mehr Informationen zum Sozialraumprojekt „Lorch vernetzt sich“:
