Danke, lieber „Ossi“ – Feuerwehrlegende Reiner Oswald wird feierlich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet
Katastrophenschutz
25 Jahre im Dienst für den Rheingau-Taunus-Kreis, zuletzt als stellv. Kreisbrandinspektor / Landrat Sandro Zehner und seine beiden Vorgänger verabschieden „Ossi“ gemeinsam / Im neuen Gefahrenabwehrzentrum in Kemel wird es den „Reiner-Oswald-Platz“ geben
Die Sirene ist ohrenbetäubend laut. Über 100 Feuerwehrleute stehen Spalier. Der LAF 1113 quält sich ohne Servolenkung um die letzte Kurve vor dem Niederwalddenkmal in Rüdesheim. Gesteuert wird das 55 Jahre alte Fahrzeug von Reiner Oswalds Söhnen. Dann kann der Ehrengast aussteigen und begrüßt die applaudierende Menge mit dem für ihn typischen: „Gude… unn wie?!“
Zu dem historischen Feuerwehrwagen hat er natürlich direkt lachend eine Geschichte auf Lager: „Die jungen Kerle haben ja keine Ahnung, was das heißt, wenn der Wagen da aus- und wieder eingeräumt wird. Da sind 2000 Meter Schlauch drin. Da fährst du los und dann rollt der hinten raus – wunderbar. Aber wenn’s dann rum ist und du musst den wieder einsammeln und aufladen – da wirst Du verrückt!“
Seit 1977 ist Reiner Oswald, den eigentlich alle nur liebevoll „Ossi“ nennen, für die Feuerwehr im Einsatz. Ein Foto von seinem Grundlehrgang haben die Kameradinnen und Kameraden für die Verabschiedung von Ossi natürlich aufgetrieben. Ihn darauf zu erkennen ist allerdings nicht so ganz einfach. Kreisbrandinspektor Christian Rossel gibt bei seiner Begrüßung direkt schmunzelnd zu, dass er dieser Aufgabe nicht gewachsen war.
Die Aufgaben von Reiner Oswald im Rheingau-Taunus-Kreis waren mindestens genauso herausfordernd und sie waren vielfältig. Eingestiegen ist er mit ehrenamtlicher Arbeit in der Leitstelle. 2001 wechselte er dann beim RTK ins Hauptamt und setzte sich vor allem für den vorbeugenden Brandschutz ein. Er wurde Kreisbrandmeister und dann 2021 zum stellvertretenden Kreisbrandinspektor. Stellvertretender Fachdienstleiter war er auch noch. Besonders um die Belange des Landkreises verdient gemacht hat er sich auch immer wieder als Organisator und Möglichmacher in Krisenzeiten – egal ob es um die Unterbringung von Geflüchteten, um Corona oder die Afrikanische Schweinepest ging. Anfang Mai geht er offiziell in den Ruhestand.
„Ich kann mir die Feuerwehr im Rheingau-Taunus-Kreis nicht ohne Dich vorstellen“, erklärte Landrat Sandro Zehner im Rahmen der offiziellen Verabschiedung zu Reiner Oswald. „Weil Du immer da warst, wo Du sein musstest, weil Du deine Aufgabe immer erfüllt hast. Und Du bist mit einer Ruhe und Gelassenheit durch jede Lage und jede Krise gegangen, die allen drumherum die Gewissheit gegeben hat: Wenn Ihr Orientierung braucht, oder wackelige Knie bekommt, dann kommt zum Ossi. Du hast den Menschen immer den Glauben geschenkt, dass wir das alles hinkriegen und dafür danke ich Dir ganz besonders. Als Landrat oder Bürgermeister ist man zwar formal für Dinge verantwortlich, aber wir wären nichts ohne Menschen wie Dich, die solche Aufgaben mit Leben füllen.“
Wie prägend Reiner Oswald für den Rheingau-Taunus-Kreis in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten war, sieht man auch daran, dass gleich drei Landräte bei seiner Verabschiedung anwesend sind - ein aktueller und zwei ehemalige. Neben Sandro Zehner sind auch seine beiden Vorgänger Frank Kilian und Burkhard Albers in Rüdesheim dabei. Frank Kilian begrüßt Ossi mit einer herzlichen Umarmung und den Worten: „Willkommen im Club der Ruheständler, lieber Reiner. Das hätte ich mir nie und nimmer nehmen lassen wollen, hier dabei zu sein. Mit all den Leuten hier – das ist ein Empfang, den Du dir redlich verdient hast.“
Neben der von Landrat Zehner überreichten Entlassungsurkunde bekommt Ossi an diesem Abend auch noch Auszeichnungen. Teilweise die Höchsten, die es in der Welt der Rettungskräfte gibt. So wie das Silberne Brandschutzehrenzeichen als Steckkreuz vom Land Hessen oder das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber des Deutschen Feuerwehrverbandes. Die trotz all dieser Orden vielleicht schönste Auszeichnung bekommt er aber von seinen Kameradinnen und Kameraden aus dem RTK: Im in Kemel neu entstehenden Gefahrenabwehrzentrum wird ein ganzer Platz nach ihm benannt – der Reiner-Oswald-Platz. Das Straßenschild gibt es doppelt. Eins darf Ossi heute mit nach Hause nehmen und eins kommt nach Kemel – das Schild gibt es zweimal, aber der Reiner-Oswald-Platz wird einzigartig sein. So wie sein Namensgeber.
