15 Jahre Integrationslotsen im Rheingau-Taunus-Kreis – Engagement, das verbindet
Integration
Rheingau-Taunus-Kreis zählt zu den Vorreitern der Integrationslotsenarbeit in Hessen / Viele Integrationslotsinnen und -lotsen haben selbst eine Migrationsgeschichte und bringen ihre Erfahrung bei der Unterstützung anderer Menschen ein / Aktuell engagieren sich im RTK rund 90 Integrationslotsinnen und -lotsen mit 31 verschiedenen Muttersprachen in 9 Kommunen
Formulare ausfüllen, zu Arztterminen begleiten, bei Elterngesprächen dolmetschen – seit 15 Jahren leisten die Integrationslotsinnen und -lotsen im Rheingau-Taunus-Kreis (RTK) einen unverzichtbaren Beitrag für ein gelingendes Miteinander. Diesen Geburtstag nimmt der Kreis zum Anlass, das langjährige Engagement der ehrenamtlich Tätigen zu würdigen, die Zugewanderte im Alltag begleiten, Orientierung geben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
„Unverzichtbarer Baustein der Integrationsarbeit“
„Die Integrationslotsinnen und -lotsen sind ein unverzichtbarer Baustein unserer Integrationsarbeit. Ihr Engagement schafft Vertrauen, erleichtert das Ankommen und stärkt das Miteinander in unseren Kommunen nachhaltig. Sie helfen dort, wo sprachliche Hürden und bürokratische Herausforderungen den Alltag erschweren – schnell, unbürokratisch und mit viel Engagement“, sagt Christine Knapp-Aschberger, WIR-Koordinatorin des Rheingau-Taunus-Kreises, die das Projekt über viele Jahre fachlich begleitet und mitentwickelt hat.
Eigene Migrationsgeschichte hilft bei der Unterstützung der Menschen
Ein Beispiel für die erfolgreiche Entwicklung des Projekts ist Gyüldzhan Terzi, Integrationslotsin der ersten Stunde: „Ich bin vor genau 15 Jahren Integrationslotsin geworden, weil um diese Zeit viele Leute aus Bulgarien Hilfe gebraucht haben, da sie kein Deutsch konnten und ich helfen wollte. Und genau so möchte ich jetzt auch für die Leute aus der Ukraine da sein“, sagt sie. Sie steht stellvertretend für viele Integrationslotsinnen und -lotsen, die selbst eine Migrationsgeschichte haben und ihre eigenen Erfahrungen bei der Unterstützung anderer Menschen einbringen.
Projekte wurde kreisweit ausgerollt und landesweit sichtbar
Die Anfänge des Projekts reichen bis zum Programm „Lernen vor Ort“ (2009–2014) zurück. Der Rheingau-Taunus-Kreis arbeitete dabei gemeinsam mit der Volkshochschule an der Qualifizierung und Implementierung von Integrationslotsinnen und -lotsen. Das Projekt wurde in der Folgezeit kreisweit ausgerollt und schließlich hessenweit sichtbar. Seit 2017 besteht auf Landesebene das Kompetenzzentrum Vielfalt „WIR Lotsen“, das auf den Erfahrungen aus dem Rheingau-Taunus-Kreis aufbaut. Der Rheingau-Taunus-Kreis zählt damit zu den Vorreitern der Integrationslotsenarbeit in Hessen.
90 Integrationslotsinnen und -lotsen mit 31 verschiedenen Muttersprachen
Aktuell engagieren sich im RTK rund 90 Integrationslotsinnen und -lotsen mit 31 verschiedenen Muttersprachen in 9 Kommunen. Sie unterstützen unter anderem bei Behördengängen, im Alltag, in Bildungseinrichtungen und beim Ankommen im gesellschaftlichen Leben. „Integration bedeutet für mich, dass Menschen sich willkommen fühlen und die Möglichkeit haben, aktiv am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen“, sagt beispielweise Integrationslotsin Dragana Karakutovska. Azad Abdolah ergänzt: „Integration bedeutet für mich mehr als nur das Erlernen der Sprache oder die Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Es geht um das gegenseitige Verstehen, das Abbauen von Vorurteilen und das Schaffen von Brücken zwischen unterschiedlichen Kulturen.“
