Zusätzliche gymnasiale Kapazitäten in Taunusstein: Der Rheingau-Taunus-Kreis baut modular, nachhaltig und flexibel
Schule
Zusätzliche Eingangsklasse am Gymnasium Taunusstein ab dem Schuljahr 2027/2028 / Bei weiterem Bedarf auch eine zusätzliche Eingangsklasse an der IGS Obere Aar / Fünf neue Klassenräume als dauerhafter Modulbau in Holzbauweise – rückbaubar und an anderen Schulstandorten wiederverwendbar
Um allen Schülerinnen und Schülern aus dem Rheingau-Taunus-Kreis ein wohnortnahes und verlässliches gymnasiales Angebot zu ermöglichen, wird am Gymnasium Taunusstein ab dem Schuljahr 2027/2028 eine zusätzliche Eingangsklasse im Jahrgang 5 vorgehalten. Auch an der IGS Obere Aar soll bei entsprechendem Bedarf eine weitere Eingangsklasse eingerichtet werden. Den zusätzlich benötigten Platz am Gymnasium Taunusstein schafft der Kreis mit fünf Klassenräumen in modularer Bauweise. Das hat der Kreisausschuss des RTK einstimmig beschlossen. Die Beratung im Schulausschuss und die Zustimmung des Kreistags stehen noch aus – die nächste Kreistagssitzung ist am 27. Oktober.
Hintergrund sind die anhaltend hohen Schülerzahlen und der große Bedarf an gymnasialen Plätzen in Taunusstein. Bereits im laufenden Schuljahr war dort eine zusätzliche Eingangsklasse erforderlich. Die aktuelle Entwicklung und die Prognosen bis mindestens zum Schuljahr 2032/2033 zeigen, dass es sich nicht um einen kurzfristigen Mehrbedarf handelt. Während im Rheingau und im übrigen Untertaunus die Prognose sinkende Schülerzahlen in den Folgejahren zeigt, bleibt die Nachfrage in Taunusstein außergewöhnlich hoch. Genau dort setzt der Kreis deshalb an – im Sinne des Ziels der Schulentwicklungsplanung, allen Kindern einen Schulplatz in der Nähe ihres Lebensmittelpunkts zu ermöglichen.
Landrat Sandro Zehner, zugleich Schuldezernent des RTK, erklärt: „Als Schulträger wollen wir die Voraussetzungen für ein verlässliches, wohnortnahes und bedarfsgerechtes Schulangebot schaffen. Das ist der Anspruch, der diesem einstimmigen Beschluss des Kreisausschusses zugrunde liegt und der auch in unserem Schulentwicklungsplan hinterlegt ist. Dazu gehört, nicht erst dann zu handeln, wenn ein Engpass bereits eingetreten ist. Wir schaffen die Plätze dort, wo sie gebraucht werden, und geben Familien Sicherheit bei einer Entscheidung, die für ihre Kinder sehr wichtig ist. Gleichzeitig investieren wir nicht in starre Strukturen. Wir bauen so, dass wir mit den Schülerzahlen mitgehen können: Was heute in Taunusstein gebraucht wird, kann morgen an einem anderen Schulstandort im Rheingau oder im Untertaunus gebraucht werden. Das ist wirtschaftlich vernünftig, ökologisch sinnvoll und hält uns handlungsfähig. Wir behalten die Entwicklung der Schülerzahlen im Blick, erkennen Bedarfe früh und ziehen die notwendigen Konsequenzen. Das ist ein wichtiger Schritt für die Zukunftssicherung der Bildung in unserem Landkreis.“
Dauerhafter und wiederverwendbarer Modulbau in Holz
Für die zusätzliche Eingangsklasse reichen die vorhandenen Räume am Gymnasium Taunusstein nicht aus. Der Rheingau-Taunus-Kreis errichtet als Schulträger deshalb einen zweigeschossigen Erweiterungsbau mit fünf Klassenräumen von jeweils rund 65 Quadratmetern und einer zusätzlichen
WC-Anlage. Vorgesehen ist ein Modul- beziehungsweise Elementbau, geplant als Holzbau oder als Holz-Stahl-Hybrid. Die dafür erforderlichen Mittel sind ab dem Haushaltsjahr 2027 mit insgesamt 1,4 Millionen Euro veranschlagt. Geplant ist ein dauerhafter Systembau mit einer regulären Nutzungsdauer von mehr als 50 Jahren – vergleichbar mit einem konventionell errichteten Gebäude.
Vor allem aber bleibt der Kreis handlungsfähig: Die Module sind grundsätzlich umsetz-, erweiter- und umnutzbar. Sollte der zusätzliche Raumbedarf am Gymnasium Taunusstein zu einem späteren Zeitpunkt entfallen, kann die Raumeinheit an einem anderen Schulstandort des Rheingau-Taunus-Kreises weiterverwendet oder zurückgebaut werden. Gebäudekapazitäten, die dauerhaft nicht mehr gebraucht werden, entstehen so gar nicht erst. Der Kreis reagiert damit auf einen konkreten Bedarf, ohne sich für Jahrzehnte festzulegen – ein Nutzen für alle Schulstandorte im Kreis.
Auch die IGS Obere Aar wird mitgedacht
Neben dem Gymnasium Taunusstein wird auch die Entwicklung der gymnasialen Kapazitäten an der IGS Obere Aar berücksichtigt. Sollte dort ebenfalls zusätzlicher Bedarf an gymnasialen Schulplätzen entstehen und sollten die vorhandenen Kapazitäten nicht ausreichen, kann auch an der IGS Obere Aar eine weitere Eingangsklasse im Jahrgang 5 eingerichtet werden. Die hierfür erforderlichen Räume sollen innerhalb des vorhandenen baulichen Bestands am Standort bereitgestellt werden – auch das ein Beispiel dafür, vorhandene Substanz zu nutzen, bevor neu gebaut wird.
Hintergrund und Entwicklung der aktuellen Situation
Die Frage nach ausreichenden Schulplätzen hatte im vergangenen Schuljahr insbesondere vor dem Hintergrund des neuen Losverfahrens für Verunsicherung gesorgt. Seit dem Schuljahr 2025/2026 gilt im Schulamtsbezirk Wiesbaden und Rheingau-Taunus aufgrund einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Wiesbaden ein neues Aufnahmeverfahren: Haben sich an einer weiterführenden Schule mehr Schülerinnen und Schüler angemeldet, als Plätze vorhanden sind, wird die Vergabe der verfügbaren Plätze an der überwählten Schule per Los entschieden.
Der Rheingau-Taunus-Kreis hatte darauf bereits im Januar 2026 reagiert und angekündigt, am Gymnasium Taunusstein und an der Limesschule Idstein zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, sofern die vorhandenen Schulplatzkapazitäten nicht ausreichen. Mit der jetzt vorgesehenen Verstetigung geht der Kreis einen Schritt weiter: Aus der zunächst als Übergangslösung gedachten zusätzlichen Eingangsklasse wird eine langfristig abgesicherte Kapazitätsplanung – mit einem Gebäude, das ebenso langfristig angelegt und zugleich beweglich ist.
Mehr Informationen zu den Schulen im Rheingau-Taunus-Kreis:
www.rheingau-taunus.de/informieren-beantragen/schule-bildung/schulen-im-rtk/