Wirtschaft trifft KI: Neunter Wirtschaftsdialog des Rheingau-Taunus-Kreises findet in neuem Format am Abend statt
Wirtschaftsförderung
Rund 50 Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Serviceware GmbH in Idstein / Impulse von EBS-Universität, Hochschule Geisenheim und zwei Unternehmen aus dem Kreis / Neues Afterwork-Format soll mehr Betriebe erreichen – auch aus Handwerk und Pflege
Wie verändert Künstliche Intelligenz den Arbeitsalltag in Unternehmen – und wo hilft sie schon heute ganz praktisch? Darum ging es beim neunten Wirtschaftsdialog des Rheingau-Taunus-Kreises am Montagabend, 2. November, unter dem Motto „Next Level Business: Wirtschaft trifft KI“. Gastgeber war die Serviceware GmbH in Idstein. Rund 50 Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem gesamten Kreis folgten der Einladung der Kreiswirtschaftsförderung.
Landrat Sandro Zehner erklärt: „Anfang des Jahres ist mir beim Weltwirtschaftsforum in Davos ein Plakat aufgefallen. Darauf stand: ‚AI won’t lead the change - that’s your job.‘ Das war auch die Klammer dieses Abends. Uns ging es bewusst um die unternehmerische Perspektive: Was bedeutet Künstliche Intelligenz ganz konkret für Unternehmerinnen und Unternehmer – quer durch alle Branchen? Unsere Betriebe stehen vor großen Aufgaben: Fachkräfte fehlen, die Kosten steigen, der Wettbewerb wird internationaler. KI ist kein Allheilmittel. Aber sie kann Abläufe einfacher machen, Beschäftigte von Routinearbeit entlasten und helfen, Fachkräfte dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden. Den Wandel gestalten müssen wir aber selbst. Dafür braucht es Mut, Neues auszuprobieren – und gute Beispiele aus der Praxis. Die gab es an diesem Abend reichlich, von Idstein bis Geisenheim.“
Vier Impulse aus Wissenschaft und Praxis
Den Auftakt machte Gastgeber Dirk Martin, CEO der Serviceware GmbH, mit seinem Impuls „AI bedeutet: Alles muss neu gedacht werden!“. Dr. André Hollstein von der EBS-Universität beleuchtete anschließend die „doppelte Transformation“: Mit Blick auf den demografischen Wandel zeigte er, warum KI den Fachkräftemangel nicht löst, die Arbeit aber neu sortiert. Thomas Kilb von der Track Forward GmbH gab unter dem Titel „AI: From Hype to Impact“ einen Überblick darüber, was KI heute leisten kann. Prof. Dr. Dimitrios Paraforos, Professor für Agrartechnik an der Hochschule Geisenheim, stellte schließlich ein Projekt mit Studierenden vor, in dem KI und Robotik bei Pflanzenschutz und Bodenbearbeitung zum Einsatz kommen.
Im Anschluss nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken.
Neues Format: Afterwork statt Mittagspause
Den Wirtschaftsdialog gibt es seit 2018. Bislang fand er als Mittagsveranstaltung mit einem Zeitfenster von höchstens zwei Stunden statt. Für viele Inhaberinnen und Inhaber - etwa im Handwerk, wo die Chefin oder der Chef selbst auf der Baustelle oder beim Kunden ist - war eine Teilnahme damit kaum möglich. Die Wirtschaftsförderung des Kreises hat das Konzept deshalb überarbeitet: Der Dialog beginnt nun am Abend und lässt mehr Zeit für Gespräche. Zudem hat sie den Kreis der Eingeladenen deutlich vergrößert und erstmals auch Unternehmen angeschrieben, mit denen sie bislang noch nicht im direkten Kontakt stand. Das Potenzial ist groß: Im Kreis gibt es rund 8.000 umsatzsteuerpflichtige Unternehmen.
Janine Landgraf, Wirtschaftsförderin des Rheingau-Taunus-Kreises, erklärt: „Wer einen Handwerksbetrieb führt oder einen Pflegedienst leitet, hat mittags selten eine freie Stunde. Deshalb haben wir den Wirtschaftsdialog in den Abend verlegt und gezielt auch Unternehmen eingeladen, die wir bisher noch nicht kannten. Unser Ziel: mehr Betriebe erreichen, mehr Branchen an einen Tisch holen und mehr Zeit für Gespräche schaffen – untereinander und mit uns als Ansprechpartner im Kreis. Der Abend in Idstein hat gezeigt, wie viel Gesprächsstoff es beim Thema KI gibt.“
Der neue Wirtschaftsdialog ist Teil einer größeren Neuausrichtung. Landrat Sandro Zehner betont: „Die Wirtschaftsförderung muss bei uns deutlich an Bedeutung gewinnen. Sie ist kein nettes Nebenthema, das man pflegt, wenn Geld übrig ist - Wirtschaftsförderung ist Haushaltspolitik. Jeder Euro Wertschöpfung, der hier im Kreis entsteht, wirkt doppelt: Er stärkt unsere Städte und Gemeinden, und er stärkt den Kreishaushalt. Das ist einer der ganz wenigen Hebel, die wir selbst in der Hand haben. Deshalb möchten wir unsere Wirtschaftsförderung professionalisieren und uns noch stärker als Partner der Wirtschaft positionieren. Viele hessische Landkreise und Städte werben zum Beispiel längst auf der Expo Real in München um Investoren. Der Rheingau-Taunus-Kreis war dort noch nie. Das sollte sich schnell ändern.“
Mehr Informationen zur Wirtschaftsförderungsstrategie des Kreises: