Neues Frauenhaus mit zwölf Plätzen eröffnet 2026 im Rheingau-Taunus-Kreis
News Gutversorgt Prävention
Rheingau-Taunus-Kreis schafft deutlich mehr Schutzraum für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder / Neue Unterkunft befindet sich an nicht einsehbarem Standort mit sicheren Zugängen / Mit der Caritas steht dem Landkreis ein erfahrener und verlässlicher Träger zur Seite
Gute Nachrichten für den Gewaltschutz im Rheingau-Taunus-Kreis: Schon im März 2026 soll ein neues Frauenhaus an einem neuen Standort eröffnen – mit deutlich erweiterten Kapazitäten. Mit zwölf Plätzen für Frauen und ihre Kinder verdoppelt der Landkreis die bisherige Platzanzahl. Gemeinsam mit zwei bereits bestehenden Schutzwohnungen stehen damit künftig insgesamt 14 Schutzplätze im Kreisgebiet zur Verfügung.
Landrat Sandro Zehner: „Der Rheingau-Taunus-Kreis steht in der Verantwortung, Frauen und Kinder wirksam vor Gewalt zu schützen. Diese Verpflichtung ergibt sich nicht nur aus dem Gewalthilfegesetz, sondern auch aus der sogenannten Istanbul-Konvention, dem völkerrechtlichen Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Darüber hinaus ist es für uns eine Frage der Haltung und der Menschlichkeit, hier entschieden zu handeln. Viele der betroffenen Frauen haben jahrelange Gewalterfahrungen gemacht – sie brauchen einen sicheren Schutzraum und qualifizierte Unterstützung, um wieder Vertrauen in sich selbst und ihre Umwelt fassen zu können.“
Bereits 2025 zwei Schutzwohnungen eingerichtet
Das bisherige Frauenhaus im Rheingau-Taunus-Kreis, das von der Caritas als Träger betrieben wurde, musste im Jahr 2024 schließen. Der Landkreis reagierte umgehend: Bereits 2025 wurden vom Caritasverband zwei Schutzwohnungen eingerichtet, die sofort vollständig ausgelastet waren. Diese bieten Platz für zwei Frauen mit ihren Kindern und haben besondere Vorteile: Auch ältere Söhne über 14 Jahre können dort problemlos mit einziehen, was in klassischen Frauenhäusern häufig nicht möglich ist. Zudem sind die Wohnungen barrierefrei und damit auch für Frauen mit Behinderungen geeignet.
Parallel dazu wurde intensiv nach einer neuen Immobilie für ein Frauenhaus gesucht. Nach der Besichtigung zahlreicher Objekte konnte schließlich eine geeignete Immobilie gefunden werden. Ausschlaggebend war die Tatsache, dass es sich um einen geschützten, nicht einsehbaren Standort handelt. Hinzu kommen ausreichend Platz, mehrere Sanitär- und Kochmöglichkeiten, sichere Zugänge, sowie Räume für Gruppenangebote und die Arbeit des Trägers.
Mit der Caritas als Betreiber steht dem Landkreis ein erfahrener und verlässlicher Träger zur Seite. Der Caritasverband Wiesbaden-Rheingau-Taunus e. V. bringt nicht nur speziell geschultes Personal ein, sondern leistet bereits mit seiner Interventionsstelle bei Häuslicher Gewalt eine äußerst wertvolle Arbeit im Kreis. Otto Bachmeier, Vorstand des Caritasverbandes Wiesbaden-Rheingau-Taunus e. V.: „Die schnelle und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Rheingau-Taunus-Kreis zeigt, wie ernst der Schutz von Frauen und Kindern hier genommen wird. Das neue Frauenhaus ist ein entscheidender Schritt, um betroffenen Frauen einen sicheren Ort und eine verlässliche Perspektive zu bieten. Gemeinsam schaffen wir ein langfristig tragfähiges Angebot, das fachlich fundiert ist und über die Region hinaus Maßstäbe setzen kann.“
Der Rheingau-Taunus-Kreis und die Caritas arbeiten nun mit Hochdruck daran, das neue Frauenhaus in 2026 schnellstmöglich in Betrieb zu nehmen – um Frauen und ihren Kindern so bald wie möglich wieder einen sicheren Zufluchtsort bieten zu können.
Hintergrund:
Historie: Haus für Frauen in Not im Rheingau-Taunus-Kreis
- 1975: Gründung Frauenhaus
- Sechs Familienplätze (Frau plus Kind/-er)
- Sommer 2024: Schließung aufgrund baulicher Mängel
- Kurzfristige Schaffung von zwei Schutzplätzen in Form von Schutzwohnungen (jeweils eine Frau + Kinder)
- Nach der Eröffnung innerhalb einer Woche belegt
- 2026: Eröffnung neues Frauenhaus mit 12 Plätzen zusätzlich zu den Schutzplätzen (ca. drei Viertel Erfüllung nach Istanbul Konvention)
- Bedarf: im Jahr 2025 ca. 50 Anfragen (geringerer Wert als in den Vorjahren, da Schließung im Kreis bereits bekannt war)
- Frauen, die nicht aufgenommen werden, erhalten telefonische Unterstützung beim Finden einer Alternative
Bundesweite Frauenhausstatistik 2024 des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Datengrundlage
Erfasst wurden Daten von 189 der insgesamt ca. 400 Frauenhäuser in Deutschland. Damit werden aktuell knapp die Hälfte (47 Prozent) der Frauenhäuser in der bundesweiten Frauenhaus-Statistik (FHK-Statistik) abgebildet.
Wie viele Frauen fanden Schutz?
Für das Jahr 2024 liegen Angaben zu 6.477 Frauen und 7.224 Kindern vor. Damit lebten auch 2024 mehr Kinder als Frauen im Frauenhaus (1,12 Kinder pro Frau). Würde man diese Zahlen auf die Gesamtheit der 400 Frauenhäuser in Deutschland (d.h. um den Faktor 2,12) hochrechnen, würde das bedeuteten: Im Jahr 2024 fanden bundesweit hochgerechnet ca. 13.700 Frauen sowie 15.300 Kinder & Jugendliche Schutz in einem Frauenhaus.
Istanbul-Konvention
Mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention im Jahr 2018 hat sich Deutschland dazu verpflichtet, gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen niedrigschwellige, spezialisierte, barriere- und diskriminierungsfreie Unterstützung bereitzustellen. Als Richtwert für Frauenhäuser empfiehlt der erläuternde Bericht, einen Familienplatz im Frauenhaus pro 10.000 Einwohner vorzuhalten.
Weitere Informationen:
Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ (LeSuBiA) des Bundesministeriums des Innern
- Fast 50 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer erleben in ihrem Leben min. einmal psychische Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft
- Ca. 16 Prozent waren oder sind in einer (Ex-)Partnerschaft von körperlicher Gewalt betroffen
- Fast jede zweite Person war in ihrem Leben von sexueller Belästigung betroffen
- Mehr als 10 Prozent wurden Opfer eines sexuellen Übergriffs, Frauen sind mit 4 Prozent stärker betroffen als Männer (1,4 Prozent).
Weitere Informationen:
https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2026/02/lesubia.html
