Kommunale Finanzkrise als Reformchance: Rheingau-Taunus-Kreis treibt Verwaltungsmodernisierung trotz Defizit voran
Haushalt
Regierungspräsidium Darmstadt (RP) genehmigt Haushalt des RTK für 2026 mit Auflagen trotz Defizits von 24,9 Millionen Euro, durch strukturelle Unterfinanzierung / Reformen auf allen staatlichen Ebenen dringend notwendig / „Wir müssen uns etwas zutrauen und auch zumuten“, so Landrat Zehner
Das Regierungspräsidium Darmstadt hat den Haushalt des Rheingau-Taunus-Kreises für das Jahr 2026 mit geringeren Auflagen als im Vorjahr genehmigt. Die Genehmigung erfolgt trotz eines geplanten Defizits von rund 24,9 Millionen Euro – maßgeblich auf strukturelle Unterfinanzierung der kommunalen Ebene zurückzuführen.
Um die Genehmigungsfähigkeit zu erreichen, hat der Kreis intensive Sparmaßnahmen ergriffen und ein umfassendes Haushaltssicherungskonzept vorgelegt. Darin beschreibt die Kreisverwaltung, wie durch konsequente Prozessoptimierung, stärkere Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz Verwaltungsabläufe effizienter gestaltet werden sollen. Ziel ist es, Leistungen für Bürgerinnen und Bürger weiterhin zuverlässig zu erbringen und gleichzeitig die vorhandenen Ressourcen nachhaltiger einzusetzen.
„Die kommunalen Haushalte stehen bundesweit unter massivem Druck. Wir können diese Entwicklung nicht wegdiskutieren und sollten sie tunlichst nicht ignorieren – aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen“, erklärt Landrat Sandro Zehner. „Unser Ansatz im Rheingau-Taunus-Kreis ist klar: Transformation statt Stagnation. Wir modernisieren Verwaltung, verschlanken Prozesse und nutzen neue Technologien, um trotz steigender Aufgaben handlungsfähig zu bleiben.“
Bereits vor mehr als zwei Jahren hat der Rheingau-Taunus-Kreis einen breit angelegten Transformationsprozess gestartet. Hintergrund sind steigende Sozialausgaben, zusätzliche gesetzliche Aufgaben, der demografische Wandel sowie allgemein steigende Kosten bei Löhnen, Material und Dienstleistungen. Das Regierungspräsidium Darmstadt würdigt in seinen Gesprächen mit der Kreisverwaltung ausdrücklich die Konsolidierungs- und Transformationsbemühungen des Kreises, weist aber zugleich darauf hin, dass die Haushaltslage weiterhin „erheblich eingeschränkt“ bleibt. Bereits im aktuellen Haushaltsjahr 2026 stehen keine ausreichenden Rücklagemittel mehr zur Verfügung, um den Fehlbetrag im Ergebnishaushalt auszugleichen.
Ein besonderes Merkmal des Rheingau-Taunus-Kreises ist die hohe Haushaltsdisziplin: Im vergangenen Jahr wich das tatsächliche Jahresergebnis lediglich um 0,45 Prozent von der Planung ab – ein ungewöhnlich präziser Wert für einen kommunalen Haushalt mit grob 500 Millionen Euro Ausgabevolumen und einem entsprechenden Einnahmewert.
„Diese Genauigkeit zeigt zweierlei: Wir wirtschaften sehr verantwortungsvoll – aber sie zeigt auch, dass keine finanziellen Spielräume vorhanden sind“, so Zehner. „Ob uns auch in diesem Haushalts-Jahr mit noch engerem Finanzkorsett gelingt, müssen wir abwarten. Mein Team in der Kreisverwaltung hat zahlreiche Projekte und Initiativen auf den Weg gebracht, um noch schlanker, effizienter und wirkungsvoller zu arbeiten. Aber jede Veränderung – insbesondere in einem komplexen System – bedeutet zunächst einen Invest an Zeit, Energie und Geld - zunächst also auch immer zusätzlichen Aufwand. Aber das ist ein Invest in die Zukunft unseres Landkreises – und in einen Staat, der auch morgen noch leistungsfähig ist.“
Für Landrat Zehner ist deshalb klar, dass neben lokalen Reformen auch strukturelle Veränderungen auf Landes- und Bundesebene notwendig sind: „Wir können den Staat nicht gesund sparen. Wir müssen ihn klüger organisieren – mit gemeinsamen digitalen Strukturen, standardisierten Prozessen und weniger Parallelverwaltung und fokussiert auf die Wirkung für die Menschen, für die wir im Öffentlichen Dienst arbeiten. Vor allem müssen wir alle anpacken und uns etwas zutrauen und ja, auch zumuten.“ Damit das gelingt, arbeite die Kreisverwaltung bereits auf Bundes- und Landesebene als Pilotkommune aktiv mit oder bündelt Verwaltungsleistungen für die kreisangehörigen Kommunen wie die Vergabe oder die Revision.
Mit Blick auf die kommenden Jahre bleibt die Herausforderung groß. Nach aktuellen Prognosen könnte sich bis 2029 ein strukturelles Defizit von über 146 Millionen Euro aufbauen.
Link zur Haushaltssatzung des Rheingau-Taunus-Kreises 2026:
Öffentliche Bekanntmachung des Rheingau-Taunus-Kreises zur Haushaltsgenehmigung 2026