Gemeinsam Krisen bewältigen: Netzwerktreffen stärkt Resilienz von Familien
News Gutversorgt Frühe Hilfen
Rund 100 Fachkräfte beim kreisweiten Netzwerktreffen „Frühe Hilfen und Präventionsketten" / Impuls des Leibniz-Institut für Resilienzforschung Mainz zu Schutzfaktoren im Familiensystem / „Markt der Möglichkeiten" brachte Kreisverwaltung und externe Netzwerkpartner zusammen
Wie können Familien in herausfordernden Lebenssituationen unterstützt werden? Und welche Faktoren helfen dabei, Krisen gemeinsam zu bewältigen und auch in schwierigen Zeiten psychisch gesund zu bleiben? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das diesjährige kreisweite Netzwerktreffen „Frühe Hilfen und Präventionsketten" des Rheingau-Taunus-Kreises am 9. September im Kreishaus in Bad Schwalbach. Rund 100 Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen kamen zusammen, um sich zum Thema „Gemeinsam Krisen bewältigen – Resilienzstärkung im Familiensetting" zu informieren, auszutauschen und miteinander zu vernetzen.
Zum Auftakt verdeutlichten die beiden Koordinatorinnen Hannah Bulak und Alexandra Kunz, dass ein stabiles Familiensystem nicht dadurch gekennzeichnet ist, dass Krisen ausbleiben. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam mit Belastungen umzugehen, vorhandene Ressourcen zu aktivieren und nach schwierigen Situationen wieder Stabilität zu gewinnen.
„Familie bedeutet nicht das Fehlen von Krisen. Familie bedeutet, dass wir mitten im Sturm gemeinsam die Segel richtig setzen", lautete das Bild, mit dem die beiden Koordinatorinnen in das Thema einführten. Dabei wurde zugleich die Bedeutung der Fachkräfte in den Frühen Hilfen hervorgehoben: Sie können Familien frühzeitig erreichen, Ressourcen sichtbar machen und dabei unterstützen, passende Hilfen zu finden.
Den fachlichen Impuls gab Lisa Jaguschewski vom Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) in Mainz. Als Referentin im Bereich Plattform Transfer und psychologische Psychotherapeutin vermittelte sie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Resilienz und deren Bedeutung für Familien. Im Mittelpunkt standen Schutzfaktoren und Ressourcen, die Familien dabei unterstützen können, alltägliche und besondere Belastungen zu bewältigen.
Jaguschewski erläuterte unter anderem, welche Resilienzfaktoren als Schutzmechanismen gegenüber Stress und psychischen Erkrankungen wirken können und wie sich diese gezielt stärken und trainieren lassen. Anhand konkreter Beispiele zeigte die Referentin auf, wie sich diese Faktoren im Familienalltag stärken lassen. Auch mögliche „Nebenwirkungen" von Resilienzförderung wurden thematisiert und kritisch eingeordnet.
Im Anschluss an den Vortrag hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, Fragen zu stellen und die Inhalte gemeinsam zu diskutieren. Dabei wurde deutlich, wie wichtig ein fachübergreifender Blick auf Familien und ihre unterschiedlichen Lebenslagen ist.
Einen weiteren Schwerpunkt der Veranstaltung bildete der anschließende „Markt der Möglichkeiten". Zahlreiche Fachdienste der Kreisverwaltung sowie externe Netzwerkpartner stellten ihre Aufgaben, Zuständigkeiten und Unterstützungsangebote vor. Vertreten waren unter anderem die Bereiche Beratung, Frühförderung, Migration, Pflege, Familienzentren, Eingliederungshilfe, Kinderschutz, Kindertagesbetreuung und Pflegekinderdienst.
Der Markt bot den Fachkräften die Möglichkeit, bestehende Angebote besser kennenzulernen, persönliche Kontakte zu knüpfen und sich über Zuständigkeiten und Zugänge zu verschiedenen Hilfen auszutauschen. Gerade im Arbeitsfeld der Frühen Hilfen ist eine gute Vernetzung von besonderer Bedeutung: Familien benötigen häufig Unterstützung aus unterschiedlichen Bereichen. Kurze Wege, persönliche Kontakte und das Wissen um die jeweiligen Angebote erleichtern es, Familien schnell und passgenau weiterzuvermitteln.
Das Netzwerktreffen verband damit fachliche Weiterbildung und praktischen Austausch. Es zeigte zugleich, wie eng Resilienzförderung, Prävention und interdisziplinäre Zusammenarbeit miteinander verbunden sind. Familien können Krisen nicht immer verhindern, sie können jedoch dabei unterstützt werden, eigene Ressourcen wahrzunehmen, Schutzfaktoren zu stärken und bei Bedarf frühzeitig passende Unterstützung anzunehmen. Genau hier setzen die Frühen Hilfen und die Präventionsketten des Rheingau-Taunus-Kreises an.
Mit dem regelmäßigen Netzwerktreffen schafft der Rheingau-Taunus-Kreis eine Plattform für fachlichen Austausch, Kooperation und Vernetzung. Ziel ist es, die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure weiter zu stärken und damit Familien im Kreis frühzeitig und bedarfsgerecht unterstützen zu können.