Demografie-Preis 2026: RTK zeichnet besondere Lieblingsplätze im Taunus aus
Demografiebeauftragte/r
26 Vorschläge zeigen, welche Plätze im Taunus für Menschen Gemeinschaft, Erinnerungen und Tradition bedeuten / Die VolksWIRtschaft Lindenhof in Bärstadt gewinnt den ersten Platz, gefolgt von der Tausendjährigen Linde in Reinborn und dem FRITZ Familienzentrum in Niedernhausen / Insgesamt 2.000 Euro Preisgeld für die drei Erstplatzierten, zusätzlich geht ein Sonderpreis an den Fahlerkerbeplatz bei Heidenrod-Laufenselden
Was macht einen Platz zum Lieblingsplatz? Sind es persönliche Erinnerungen, gemeinsame Erlebnisse, gelebte Traditionen oder die Menschen, die dort zusammenkommen? Mit diesen Fragen hat sich der Demografie-Preis 2026 des Rheingau-Taunus-Kreises unter dem Motto „Dein Lieblingsplatz im Taunus“ beschäftigt. Am Montagabend, 26. Oktober 2026, wurden die Gewinnerinnen und Gewinner bei einer Preisverleihung in der VolksWIRtschaft Lindenhof in Schlangenbad-Bärstadt ausgezeichnet.
Insgesamt 26 Vorschläge gingen beim Rheingau-Taunus-Kreis ein. Einreichen konnten Einzelpersonen ebenso wie Gruppen, darunter Kommunen, Vereine, Initiativen, soziale Träger, caritative Einrichtungen und Kirchen im Kreis. Voraussetzung war, dass der vorgeschlagene Platz im Kreisteil Taunus liegt. Gefragt war nach dem, was einen Platz besonders macht: Wird dort eine Tradition bewahrt oder eine bewegte Vergangenheit lebendig gehalten? Kommen dort seit Generationen Menschen zusammen, um zu feiern, zu gedenken oder Gemeinschaft zu erleben, und treffen sich unterschiedliche Generationen? Und welche Erinnerung oder Familientradition verbindet die Einreichenden mit dem Ort?
Die Vorschläge zeigten die große Vielfalt besonderer Plätze im Taunus und machten deutlich, wie eng diese mit persönlichen Geschichten, Erinnerungen und dem Zusammenleben vor Ort verbunden sind. Die Auswahl fiel der Jury entsprechend schwer.
„Lebendige und lebenswerte Orte entstehen dort, wo Menschen sich begegnen, Gemeinschaft erleben und füreinander einstehen. Gerade in kleineren Orten zeigt sich immer wieder, was Bürgersinn bewegen kann: Wenn beispielsweise eine ehemalige Dorfkneipe schließt und die Menschen vor Ort sagen: Wir kümmern uns selbst darum. Mit dem Demografiepreis machen wir solche Ideen und das Engagement der Bürgerinnen und Bürger sichtbar. Sie zeigen, wie vielfältig unser Landkreis ist und wie wir gemeinsam dafür sorgen können, dass unsere Orte auch in Zukunft lebenswerte Heimat bleiben“, betonte Landrat Sandro Zehner.
Die Preisträger
1. Platz: VolksWIRtschaft Lindenhof, Bärstadt
Dr. Daniel Vorgrimler nahm die Auszeichnung entgegen. Aus einer klassischen Dorfgaststätte ist ein Gemeinschaftsprojekt geworden, das ehrenamtlich getragen wird. Die VolksWIRtschaft hat den traditionellen Gaststättenbetrieb im Ortskern, der dort seit Generationen bestand, erhalten und neu belebt. Bei Musikabenden, Bingo- und Quizveranstaltungen und gemeinsamen Aktionen kommen alle Generationen des Ortes zusammen. Für viele ist sie nicht die Kneipe eines Wirts, sondern ihre eigene, und sie erleichtert Zugezogenen das Ankommen im Dorf.
2. Platz: Tausendjährige Linde, Reinborn
Ausgezeichnet wurde Maren Görg vom Ortsbeirat Niederems. Hoch über den Taunustälern bildet die mächtige Linde gemeinsam mit der historischen Kirche und dem Friedhof ein Ensemble, das seit Jahrhunderten das Zentrum Reinborns prägt. Historisch gilt sie als ehemaliger Thing- oder Gerichtsplatz, an dem Menschen zusammenkamen, um Recht zu sprechen und wichtige Entscheidungen zu treffen. Heute treffen sich hier Jung und Alt, beim Gottesdienst, Adventssingen, Wandern oder Gedenken. Von hier reicht der Blick weit über die Landschaft bis zum Feldberg.
3. Platz: FRITZ Familienzentrum im Pfarrhaus „Villa Gontermann”, Niedernhausen
Das Familienzentrum wurde vertreten durch Patricia Garnadt. Das denkmalgeschützte Pfarrhaus, einst eine Hausarztpraxis, beherbergt seit dem 1. April 2025 nach einem Umbau das FRITZ Familienzentrum. Es ist ein Begegnungsort für alle Generationen mit offenen Türen tagsüber, Sprachcafé für Geflüchtete, Literaturcafé, Spieleabend, Mutter-Kind-Kursen und Großeltern-Enkel-Nachmittagen. Der Name erinnert an den Hausarzt Fritz Gontermann, der für alle Menschen im Sozialraum tätig war. Die Kirchengemeinde trägt neben Kommune und Land einen großen Teil der laufenden Kosten und stellt die Räume kostenlos zur Verfügung.
Sonderpreis: Fahlerkerbeplatz im Wald bei Heidenrod-Laufenselden
Tim Engelhardt und Christoph Müller wurden für diesen besonderen Ort ausgezeichnet. Der Platz im Wald ist seit Jahrhunderten alle drei Jahre Schauplatz der Fahlerkerb, bei der Jung und Alt gemeinsam feiern, tanzen, essen und trinken. Ein Erinnerungsschild an einer Eiche nennt die Namen verstorbener Helferinnen und Helfer, die sich um Platz und Tradition verdient gemacht haben. Eine Besonderheit ist die Jubiläumskerbegesellschaft: Nach 30 Jahren finden sich die Mitglieder eines Kerbejahrgangs wieder zusammen, egal wohin der Lebensweg sie geführt hat. Gepflegt wird der Platz von einer ehrenamtlichen Pflegegruppe, in der sich ebenfalls Generationen verbinden.
„Unsere Genossenschaft gibt es seit siebeneinhalb Jahren. Seitdem betreiben wir die Gaststätte ehrenamtlich an drei Tagen in der Woche und organisieren rund 50 Veranstaltungen im Jahr. Dafür kommen etwa 2.600 ehrenamtliche Stunden zusammen. Bei uns sind alle willkommen – ob Neubürger oder Alteingesessene. Hier begegnen sich Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebensbereiche. Es entstehen Gespräche, Begegnungen und Gemeinschaft. Das tut unserem Ort gut und strahlt auf die gesamte Bevölkerung aus“, erklärt Stefan Münzer, Vorstandsvorsitzender der VolksWIRtschaft Lindenhof eG.
Der Demografie-Preis ist mit insgesamt 2.000 Euro dotiert. Auf den ersten Platz entfallen 1.000 Euro, der zweite Platz erhält 650 Euro und der dritte Platz 350 Euro. Die Preisvergabe erfolgte auf Grundlage der Entscheidung einer Jury, der unter anderem der zuständige Dezernent, der Kreistagsvorsitzende, Mitglieder der Kreistagsfraktionen sowie Mitglieder der Lenkungsgruppe Demografie angehörten.
Mit dem Demografie-Preis möchte der Rheingau-Taunus-Kreis die Bedeutung solcher Plätze für das gesellschaftliche Miteinander hervorheben. Sie schaffen Begegnungen, verbinden Generationen und tragen dazu bei, dass Traditionen und Geschichten auch in Zukunft lebendig bleiben.
Im kommenden Jahr richtet sich der Blick auf den anderen Kreisteil: 2027 sucht der Rheingau-Taunus-Kreis besondere Lieblingsplätze im Rheingau. Zeitraum und Wege zur Teilnahme gibt der Kreis rechtzeitig über seine üblichen Kanäle bekannt.
Weitere Informationen: Demografischer Wandel
