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Datum:20.07.2018
Kategorie: ProJob
Autor: Pressestelle

„Wir dürfen die Menschen nicht in eine enge Korsage hinein­zwängen!“

Christoph Burgdorf (links) und Carsten Hempel sind von dem Erfolg des Sozialraumprojektes in Eltville überzeugt.

Christoph Burgdorf und Carsten Hempel von der ProJob GmbH ziehen positive Zwischenbilanz des laufenden Sozialraumprojektes in Eltville / Langzeitarbeitslosen wieder Selbstbewusstsein geben

„Wir dürfen die Menschen nicht in eine enge Korsage hineinzwängen“, betont Carsten Hempel von der ProJob Rheingau-Taunus GmbH, sondern „ihnen Freiräume zur Entfaltung bieten“. „Denn oftmals braucht es nur einiger Gespräche und Hinweise oder dem Feinjustieren an der einen oder anderen Stelle“, wie ProJob-Geschäftsführer Christoph Burgdorf ergänzt. Er und Hempel berichten über den zweiten Teil des Sozialraumprojektes, das zurzeit noch in Eltville durchgeführt wird, und das Ziel hat, Langzeitarbeitslose den Weg in den ersten Arbeitsmarkt zu ebnen. Dabei ziehen sie eine positive Zwischenbilanz.

Bereits zum dritten Mal wird das Sozialraumprojekt im Rheingau-Taunus-Kreis durchgeführt; zunächst in Oestrich-Winkel, dann in Aarbergen / Hohenstein und seit September 2017 in zwei Teilen in Eltville. Finanziert wird das Projekt vom Sozialministerium in Wiesbaden und anschließend in Zusammenarbeit mit dem hiesigen Kommunalen JobCenter und der kreiseigenen ProJob GmbH, die die Maßnahme durchführt, umgesetzt. Als wichtiger Partner des Projektes gilt die jeweilige Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Denn: Rund 60 Prozent aller offenen Stellen werden über persönliche Kontakte vermittelt. Solche freien Arbeitsplätze erscheinen meistens gar nicht als Anzeige im Stellenmarkt der Zeitungen oder im Internet. Oft sind es persönliche Kontakte von Arbeitgebern zu Arbeitsuchenden oder die bekannte Mund-zu-Mund-Propaganda ist dafür verantwortlich. Das macht sich das Sozialraumprojekt des Hessischen Sozialministeriums zu Eigen. Der Bürgermeister vor Ort kennt seine Unternehmen, kann erste Kontakte herstellen.

„Bürgermeister Patrick Kunkel, der Erste Stadtrat Hans Walter Pnischeck und Hauptamtsleiter Michael Stutzer waren bei den Treffen immer wieder anwesend und unterstützen uns. Damit erfuhren die insgesamt 31 Teilnehmer des Projektes  ̶  in zwei Gruppen  ̶  eine enorme Wertschätzung, die sie aufgebaut hat“, sagt Christoph Burgdorf. So wies Walter Pnischeck auf Möglichkeiten der Unterstützung durch die Stadt hin, mit denen die häusliche Isolation, in die sich viele der Langzeitarbeitslosen zurückziehen, abgetrennt vom gesellschaftlichen Leben, aufgebrochen werden soll.

„Wer über einen längeren Zeitraum ohne Job ist, bei dem stellen wir unterschiedliche Verhaltensmuster fest“, betont Projektleiter Hempel. „Die einen verschließen sich immer mehr, scheuen geradezu die Öffentlichkeit, weil sie sich nach der hundertsten Bewerbung nichts mehr zutrauen. Sie verlieren ihren Lebensmut. Andere machen alles und jeden für ihre Situation verantwortlich. Nur bei sich suchen sie keine Schuld. Und wieder andere haben es sich in der Arbeitslosigkeit bequem gemacht“, so Hempel. Für alle drei „Kategorien von Arbeitslosen“ finden er und seine Kollegin Laura Brennert Lösungen. „Es geht aber nur, wenn der Gegenüber auch will“, so Hempel. Oft müssen sie bei Langzeitarbeitslosen wieder Struktur in den Alltag bringen. Viele müssten wieder lernen, um 7.00 Uhr morgens aufzustehen. Doch es sind ganz oft unterschiedliche, auch persönliche Gründen, warum die Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt nicht klappt.

Burgdorf: „Von den 13 Teilnehmern der zweiten Gruppe, die im Januar sich das erste Mal traf, sind vier in Arbeit vermittelt.“ Da ist der Mann, Anfang 40, mit einer eigenen Firma im Finanzbereich, die Insolvenz ging. Hempel: „‘Ich weiß nicht, was ich machen soll!‘, waren seine Worte zu Beginn des Projektes. Wir haben viele Gespräche geführt, bis er wieder seine beruflichen Ziele erkennen konnte.“ Gemeinsam mit dem kommunalen JobCenter wurde eine Fortbildung finanziert. Ende des Jahres beginnt der Mann im Bereich Versicherung.

Ein anderer Teilnehmer, der eine Ausbildung in der Gastronomie vorzuweisen hatte, hatte es sich in seiner Arbeitslosigkeit bequem gemacht. Dann trennte er sich von seiner Freundin und heute hat er wieder einen Job in der Gastronomie. „Die Freundin wirkte ein bisschen wie ein Hemmschuh. Danach hat er sein Leben wieder in die eigene Hand genommen. Mancher aus diesem Klientel benötigt einfach nur unsere helfende Hand.“ Etwa, wenn die Bewerbungsunterlagen „Staub angesetzt haben, uralt sind“ helfen Hempel und Brennert. Manchmal üben sie Bewerbungsgespräche mit den Teilnehmern ein, erläutern wie sie sich verhalten sollen. „Dabei war auch die Unterstützung von Michael Stutzer und dem Personalchef der Firma Jean Müller von großer Bedeutung“, erzählt Hempel. Beide konnten aus der Praxis berichten, was die Teilnehmer natürlich mehr beeindruckte. „Unsere Teilnehmer haben aus diesen Vorträgen viel für sich mitgenommen. Ihnen wurde auf einmal Wertschätzung entgegengebracht.“ „Die Stadt, das Unternehmen kümmert sich um uns“, so die Teilnehmer.

„Es ist spannend mit den unterschiedlichen Menschen und Charakteren zu arbeiten, mit ihnen einen Plan aufzustellen, um sie wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren“, berichten Burgdorf und Hempel. „Bei unserem ersten Treffen fiel mir eine Frau, Mitte 20, wegen ihres robusten und selbstbewussten Auftretens auf“, so Hempel und: „Das sind Klienten, die mich besonders reizen.“ Die junge, gut behütete Frau hatte eine abgeschlossene Ausbildung, war danach bei zwei Stellen wegen ihrer Art gekündigt worden. In den Gesprächen stellen sich schnell heraus: „Im Inneren war sie sehr unsicher und zerrissen.“ In den sehr intensiven Einzel- und Gruppengesprächen mit ihr gelang es, dass die Frau sich und ihr Leben selbst reflektiert. „Sie hat Pläne und Ziele für ihr Berufsleben entwickelt, auch selbständig Bewerbungsunterlagen geschrieben und erstellt und hat heute eine Stelle, die sie ausfüllt und mit der sie zufrieden ist.“ Und Christoph Burgdorf: „Wenn wir dies erreicht haben, dann ist das Ziel, die Intention des Sozialraumprojektes erreicht und wir können von einem Erfolg sprechen.“

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