PRESSEMITTEILUNGEN   (Detailansicht)

Datum:12.10.2021
Kategorie: Integration
Autor: Pressestelle

Wenn Gesten und Worte zu Missverständnissen führen

Welche Bedeutung hat die Geste von Rolf Byron im arabischen Raum? Die Anwesenden müssen raten.

Empfang zur Interkulturellen Woche 2021: Dr. Moustafa Selim spricht über „Wie tickt der / die Andere?“ / Positives Fazit gezogen

„In Deutschland gibt es viele Redewendungen, die wir als Lob und Anerkennung verstehen, und die wir auch so in unserem allgemeinen Sprachgebrauch nutzen, Menschen aus anderen Kulturen aber als Beleidigung auffassen könnten“, berichtet Dr. Moustafa Selim, der Integrationsbeauftragte der Hochschule Geisenheim University. Ein schnell dahingesagtes, aber natürlich gutgemeintes „Hals- und Beinbruch“ könnte schon zu Missverständnissen führen. Eigentlich als Kompliment gedacht, wirkt die Aussage „Er ist bekannt wie ein bunter Hund“ auf Menschen aus dem arabischen Kulturkreis eher wie eine Beleidigung. Selim: „Weil der Hund in vielen Kulturen als niederes Tier angesehen wird.“

Gewohnt wortreich, humorvoll, mit viel Esprit und stets kurzweilig berichtet Moustafa Selim in seinem Vortrag im Rahmen des Empfangs zur „Interkulturellen Woche 2021“ im Weinbrunnen in Bad Schwalbach über die Facetten der arabischen Kultur und die Unterschiede unter dem Titel „Wie tickt der / die Andere?“ „Andere Kulturen – andere Sitten“, betont Selim zu Beginn. In vielen Sprachen kann bereits eine leicht veränderte Akzentuierung eines Wortes zu Missverständnissen und Aufregung führen. Aber auch Gesten führten zu Missverständnis, was Selim in einem interaktiven Spiel mit den Anwesenden deutlich macht. Selim lässt so nacheinander fünf arabische Gesten und Handzeichen darstellen, um deren Bedeutung von den Zuschauern erraten zu lassen. Da ist das Kreisen um ein Ohr, der Zeigefinger am Kopf, die Bildung eines Kreises mit Daumen und Zeigefinger oder die Zusammenführung aller fünf Finger, die nicht als Hinweis „Ich will mehr!“ zu verstehen ist, sondern als Rat „Langsam, gedulde Dich“.

Den Zeigefinger am Kopf deuten die Anwesenden als den Hinweis. „Du hast einen Vogel“ oder „Denk‘ doch mal nach!“ In der arabischen Welt steht diese Gestik jedoch für das Kompliment „Du bist aber schlau!“. Drei ausgestreckte Finger mit Daumen und Zeigefinger als Kreis sollte der Gegenüber aber als Bedrohung und dem Hinweis „Ich haue Dich“ ansehen. Manche falsche Deutung einer Geste kann jemand auch schon einmal in eine missliche Lage bringen. Weshalb Begegnungen von Menschen unterschiedlicher Kulturen und dadurch das gegenseitige Kennenlernen eine wichtige Bedeutung haben.

Zu Beginn des Empfanges hatten Gabriele Schuster und Christine Knapp-Aschberger von der Fachstelle Integration und Projektakquise im Kreishaus an die Intention der Interkulturellen Woche erinnert, die im Kreisgebiet fast sechs Wochen dauerte. „Wir wollen Menschen zusammenbringen und – unabhängig von Herkunft, Kultur und Religionszugehörigkeit – auf vielfältige Weise den Dialog und Austausch zwischen den Kulturen fördern“, so die die Organisatorinnen. Mit den Veranstaltungen wurden Begegnungen ermöglicht und ein Prozess des gegenseitigen Kennenlernens gefördert. Laut den beiden Organisatorinnen haben viele Interessierte die Veranstaltungen besucht, so dass eine positive Bilanz gezogen werden kann.

Landrat Frank Kilian würdigte das Programm mit den unterschiedlichen Veranstaltungen, das „in sieben Tagen gar nicht zu bewältigen ist“. Er dankte zudem den Initiativen im Kreisgebiet, die durch ihre Events erst die Interkulturelle Woche möglich machten. In diesem Jahr habe man die aktuellen Themen „Hate Speech“ und Verschwörungstheorien“ in den Fokus genommen. Der Bürgermeister von Bad Schwalbach, Markus Oberndörfer, verwies auf die Veranstaltungen „Tag der offenen Moschee“ im Kreisgebiet. Er sei in der Kreisstadt der einzige Deutsche gewesen, der das Angebot zum Kennenlernen der Türkisch-Islamischen Gemeinde und der Moschee aufgegriffen habe. Er hoffe auf eine stärkere Resonanz im nächsten Jahr, weil es wichtig ist, die Verständigung zwischen den Religionen zu fördern.

Gabriele Schuster und Christine Knapp-Aschberger gingen in ihren Ausführungen auf die Höhepunkte der diesjährigen Interkulturellen Woche ein. Dabei nahm die Wanderausstellung „Stop Hate Speech – Demokratie to go“ einen breiten Raum ein. Die Ausstellung an der Limesschule in Idstein, der IGS Wallrabenstein und der Hildegardisschule in Rüdesheim habe eine große Resonanz bei den Schülerinnen und Schüler gefunden, die darüber diskutierten, welchen Auswirkungen Hasstiraden im Netz auf die Betroffenen haben. Es wurde aber auch darüber gesprochen, wie Opfer auf solche Hate-Speech-Attacken in den sozialen Medien reagieren sollen. Gleichzeitig wiesen Schuster und Knapp-Aschberger daraufhin, dass die neue Veranstaltungsreihe im Rheingau-Taunus-Kreis „Haltung zeigen“ fortgesetzt wird.

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Welche Bedeutung hat die Geste von Rolf Byron im arabischen Raum? Die Anwesenden müssen raten.

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