PRESSEMITTEILUNGEN   (Detailansicht)

Datum:15.07.2021
Kategorie: Prävention
Autor: Pressestelle

„Man darf den Hass im Netz nicht unkommentiert lassen!“

Landrat Frank Kilian: Wie können Betroffene auf extreme und üble Beschimpfungen in den Sozialen Medien reagieren / Referentin Sina Laubenstein über den Umgang mit Hass-Kommentaren

„Hass-Kommentare im Internet mit immer extremeren Inhalten und verbalen Angriffen nehmen deutlich zu“, betont Sina Laubenstein, Politikwissenschaftlerin und Medienexpertin, die sich seit fünf Jahren mit dem Thema „Hate Speech“ intensiv auseinandersetzt. Seit 2020 leitet sie das Projekt „Die Würde des Menschen ist unhassbar. No Hate Speech 2020 – 2022“. Über den Neuen Deutschen Medienmacher e.V. betreut Sina Laubenstein das „No Hate Speech Movement“ des Europarates in Deutschland. Ihre Bilanz: „Die Aussagen werden immer krasser und es erfolgt eine Radikalisierung im Netz, der wir dringend Einhalt gebieten müssen.“ So spricht sie von ganz bewusst eingesetzten Tabubrüchen und damit verbunden „einer gezielten, professionellen Hate-Speech-Kampagne“, die aus dem rechten Lager stammt.

„Diese rechten Gruppierungen wollen dadurch Einfluss gewinnen und andersdenkende Menschen mit dieser ‚digitalen Gewalt‘ einschüchtern, um sie dann stumm zu schalten“, wie es Laubenstein formuliert. Zur Unterstützung ihrer These beschreibt sie die Vorgehensweise einer rechtsextremen Gruppierung. Dabei schreckten solche Gruppierungen auch vor Aufrufen zur Anwendung von Gewalt nicht zurück. Adressaten einer solchen Digitalen Gewalt in Form von beispielsweise sexuellen Angriffen, Erpressungen und Morddrohungen sind weltweit vor allem Politikerinnen, so Sina Laubenstein.

Bereits zum dritten Mal hatten Landrat Frank Kilian und der Präventionsrat des Rheingau-Taunus-Kreises zu einer Videokonferenz eingeladen, bei denen es um den Umgang mit Hass-Kommentaren im Internet und vor allem den Sozialen Medien ging. Viele Personen nutzen die angebliche Anonymität des Internets dazu, Mitmenschen auf übelste, menschenverachtende Art zu beschimpfen, sie zu diskreditieren, mit Lügen zu diskriminieren und in ihrer Würde herabzusetzen. Scheinbar gibt es keine Grenzen für solche Exzesse mehr. „Was macht es mit Personen, die eine solche digitale Gewalt erfahren müssen? Welche Konzepte gibt es, um sich diesen üblen Angriffen zu entziehen?“ fragte Landrat Kilian in die Runde, um einen faireren Umgang miteinander einzufordern.

Doch was versteht man unter Hass-Kommentaren? Laut Laubenstein sind dies sprachliche Handlungen gegen Einzelpersonen und/oder Gruppen mit dem Ziel der Abwertung oder Bedrohung aufgrund deren Zugehörigkeit zu einer benachteiligten Gruppe in der Gesellschaft. Der Begriffe umfasst verschiedene Diskriminierungsformen wie Sexismus, Rassismus, Antisemitismus sowie Homo- und Transphobie. Den Absendern dieser Kommentare geht es um Gewalt, um Abwertung, Beleidigungen und Beschimpfungen und sexuelle Belästigungen in den Sozialen Medien. Es geht um die Herabwürdigung von Personen, die in der Öffentlichkeit der Sozialen Medien geschieht.

Die Zahlen, die die Referentin anschließend nennt, sind erschreckend. 70 Prozent der Mädchen und jungen Frauen sind bereits Opfer von digitaler Gewalt in den unterschiedlichsten Formen geworden; weltweit sind es 58 Prozent. „Schwarze Frauen werden zu 84 Prozent häufiger als weiße Frauen in problematischen und beleidigenden Tweets erwähnt“, berichtet die Referentin. Die weiblichen Bundestagsabgeordneten wurden zu 64 Prozent mit digitaler Gewalt konfrontiert. 50 Prozent der Kommunalpolitiker geben an, bereits Ziel von Hass-Kommentaren gewesen zu sein. „Viele, die aktiv in der Politik tätig waren oder ein Ehrenamt begleiteten, haben sich daraufhin zurückgezogen und ihre Ämter niedergelegt.“, berichtet Sina Laubenstein.

Wer Opfer solcher Angriffe wurde, leidet unter Angst- und Panikattacken, unter Schlafstörungen und auch Depressionen. „Betroffene schildern, dass ihre Lage extrem Ernst war“, so die Referentin. Doch was können Betroffene gegen solche Hass-Exzesse machen? Laubenstein: „Schließlich kannst Du das Internet nicht einfach abschalten.“ Jede und jeder, die/der sich solchen Angriffen ausgesetzt sieht, ist „zunächst paralysiert und kann nicht klar denken“. Ihr Vorschlag: „Erst einmal Ruhe bewahren. Danach gilt es bestimmte Schritte als Reaktion einzuleiten, ehe man selbst aktiv wird“, empfiehlt die Referentin. Wer persönlich betroffen ist, sollte die digitale Gewalt dokumentieren, das heißt, die erhaltenen Kommentare oder Bilder festhalten sowie zusammen mit dem Kommentar Datum und Uhrzeit per Screenshot festhalten. Die User-ID abfotografieren und bei jedem Screenshot das eigene Profil verpixeln. Hinzu komme als wichtiger, ganz entscheidender Punkt, die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten. Der Nutzer sollte gemeldet oder blockiert und die Kommentare gelöscht werden. Schon hilfreich kann die Erstellung eines Ablaufplanes für Notfälle sein: „Darin sollten Namen stehen, die man kontaktieren will. Man kann sich Argumentationshilfen zur Unterstützung der Moderation aufschreiben.“ Zudem verwies die Referentin auf Beratungsstellen, an die sich die Betroffenen wenden können.

Ganz wichtig ist es für die Betroffenen, die Hass im Netz erlebt haben, dass sie mit anderen Menschen sprechen. Zudem gilt laut Sina Laubenstein: „Nicht den Versuch immer wieder unternehmen, den Hater oder die Haterin davon zu überzeugen, mit den Hass-Kommentaren aufzuhören, sondern die Menschen ansprechen, die bei der digitalen Debatte mitlesen!“ Diese Mitlesenden sollten dann „den Hass nicht unkommentiert lassen“. Jeder kann sich mit der und dem Angegriffenen solidarisch erklären und mit seinen Kommentaren unterstützend wirken.

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