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Datum:04.05.2021
Kategorie: Jugendhilfe, Jugendförderung
Autor: Pressestelle

Jugendamt zwischen Berater-Funktion und Wächteramt

Sissi Gräve ist seit Oktober 2020 Leiterin des Fachdienstes Jugendhilfe in der Kreisverwaltung / Corona und die Lage der Jugendlichen ist Ansporn

„Es ist die große Bandbreite an ganz unterschiedlichen Betätigungsfeldern, die Arbeit zum Wohle von Kindern und Jugendlichen sowie das jeden Tag erforderliche Einfühlungsvermögen für (Krisen)-Situationen, die die Psyche aller Beteiligter – auch der Mitarbeitenden – belasten kann“, erläutert Sissi Gräve ihre Motivation, sich auf den ausgeschriebenen Posten der Leiterin des Fachdienstes Jugendhilfe im Kreishaus zu bewerben. Die ersten 100 Tage sind längst vorüber und ihr Urteil steht: „Ich wusste durch meinen vorherigen Beruf als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Familienrecht, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jugendamt einen sehr guten Ruf genießen, weil sie kompetent und sachorientiert arbeiten. Dieser Eindruck hat sich noch weiter verfestigt“, sagt sie und macht deutlich, dass die momentane Situation mit Corona Sissi Gräve und ihr Team im Jugendamt noch weiter anspornt und zukünftig intensiv beschäftigen wird.

Gleichzeitig definiert sie den „Standort“ des Kreis-Jugendamtes: „Wir sehen uns einerseits in einer Berater-Vermittler-Funktion, sind andererseits aber auch in einer Wächterposition, wobei das Wohl des Kindes und Jugendlichen oberste Priorität genießt.“  Aber Jugendamt ist noch mehr und diese Bereiche sind ebenfalls für die Kinder und Jugendlichen im Kreis wichtig. Denn sie bieten Möglichkeiten der Partizipation und Bildung. Mit dem Jugendbildungswerk Rheingau-Taunus unterbreitet ihr Fachdienst Jugendlichen interessante Freizeitangebote: Von der Tagesfahrt, über Workshops bis hin zu Städtereisen an. „Das sind alles spannende Arbeitsbereiche, die sich ständig verändern, neu gedacht werden müssen, um Stillstand zu vermeiden.“

„Corona, der Ausfall der Schule seit Monaten, der Lockdown mit seinen Vorgaben, keine Möglichkeit, sich mit der Clique zu treffen, gemeinsam zu feiern – das alles zehrt selbstverständlich ganz extrem an der Psyche von Kindern und Jugendlichen. Wir werden erst in den kommenden Jahren die Folgen erkennen und über die Konsequenzen in geeigneter Form diskutieren können“, betont die Fachdienstleiterin. Aber auch diese Herausforderung sieht sie und ihr Team als Ansporn, „neue Wege einschlagen zu müssen“. Gräve: „Im Austausch zwischen Jugendämtern in ganz Deutschland beraten wir über erste Konsequenzen. Was geschieht mit Kindern und Jugendlichen; die vor Corona schon Probleme hatten, Freundschaften und Bindungen mit Gleichaltrigen einzugehen; und jetzt durch die Kontaktbeschränkungen es noch viel schwerer haben?“ Im diesem Bereich regulierend eingreifen zu können, ist eine der ganz wichtigen Aufgabe der kommenden Jahre.

„Da ist es von immenser Bedeutung, auf eine breit angelegte – auf alle Schulformen - und vor allem eine funktionierende Schulsozialarbeit zurückgreifen zu können“, betont Sissi Gräve. An die Mitarbeitenden der Schulsozialarbeit können sich die Schüler, neben dem Unterricht, schon jetzt vertrauensvoll wenden. „Unser großer Vorteil ist, dass wir diese Einrichtungen der Präventionsarbeit nicht erst schaffen müssen, sondern wir können sie proaktiv nutzen, sind teilweise bereits etabliert oder befinden sich im weiteren Ausbau. Die Schülerinnen und Schüler sind damit vertraut, wissen von den Ansprechpartnern in der Schulsozialarbeit, die vom Rheingau-Taunus-Kreis aufgebaut wurde.“

Der Ausbau der Schulsozialarbeit an den Grundschulen des Kreises ist dabei ein zentraler Faktor. Es ist wichtig die Kinder früh zu erreichen. In diesem Jahr wird der Ausbau der Schulsozialarbeit an fünf weiteren Grundschulen des Kreises erfolgen, berichtet sie, und weiter: „Für meine Tätigkeit hier im Jugendamt habe ich einen stark verankerten Präventionsbereich vorgefunden“, so die Fachdienstleiterin Jugendhilfe. Denn es mache keinen Sinn erst dann zu handeln, wenn „das Kind sinnbildlich in den Brunnen gefallen ist“. „Es wurden in der Vergangenheit viele Konzepte im Jugendamt erarbeitet und sich an bundesweiten Projekten wie ‚Demokratie leben‘ oder ‚Frühe Hilfen‘ beteiligt“, ergänzt sie. Ein weiteres Angebot, das derzeit für die Jugendlichen im Kreis entsteht, ist das Jugendtaxi, bei dessen Einführung sie derzeit aktiv mitwirkt. Jugendliche sollen sicher vom Ort einer Feier im Rheingau-Taunus-Kreis zurück nach Hause kommen können. Sissi Gräve versteht den Wunsch der Jugendlichen, mit Freunden außerhalb des Heimatdorfes feiern zu wollen. „Wir waren doch in unserer Jugend alle so. Wir wollten raus und von den Eltern unabhängig sein. Die Großstadt versprach immer viel Spaß“, berichtet Gräve, die im Rheinland aufgewachsen ist.

Ihr Job hat aber auch seine Schattenseiten: „Wir erleben natürlich auch immer hautnah und als erste den Zustand einer Gesellschaft!“ Dafür bedarf es dann einer starken Psyche der Mitarbeitenden. Die Fachdienstleiterin: „Vor Ostern gingen zeitgleich mehrere Meldungen von Kindeswohlgefährdungen ein. Kein einfacher Job, den das Team des Kinderschutzes dann verrichten muss. Hier sind eine sehr gute Zusammenarbeit und eine sorgfältige, aber rasche Analyse des Sachstandes von entscheidender Bedeutung. Erich Blaes, mein Stellvertreter und Teamleiter des Fach-Teams Kinderschutz, ist sehr erfahren und behält stets einen ‚kühlen Kopf‘. Wir konnten gemeinsam Lösungen entwickeln, die dem Kindeswohl dienlich waren und konnten sogar teilweise von einer Inobhutnahme absehen.“

Wer trennt schon gerne ein Kind, welches die gesamte Situation nicht versteht, von den Eltern, wenn es nicht unbedingt notwendig ist und es keine andere Entscheidung zum Wohle des Kindes gibt. Das will niemand im Team, gehört aber auch zur Arbeit dazu.
„Ich sehe diese Herausnahme aus der Familie jedoch auch als einen ersten wichtigen Schritt hin zu einer möglichen Verbesserung der Gesamtsituation“, betont Sissi Gräve und: „Dann können wir in die Familien gehen, konkrete Ursachenforschung betreiben und unsere Hilfen und Unterstützungsmaßnahmen anbieten, um eine Kehrtwende für die Familien herbeizuführen.“ Gräve: „Einige Eltern können die Hilfen annehmen und die Kinder können wieder in ihre Herkunftsfamilie zurückgeführt werden. Dies ist unser oberstes Ziel.“ „Wenn wir als Team dann anhaltende Erfolge sehen, ist das für uns alle natürlich ein Glücksmoment“, berichtet die Fachdienstleiterin.

Die Realität zeigt aber auch, dass der Verbleib von Kindern und Jugendlichen in den Familien unter Umständen eine zu große Gefahr darstellen kann. „Wir müssen natürlich genau abwägen, was zum Wohle des Kindes am besten ist“, erklärt die Fachdienstleiterin. In den kommenden Jahren werden die Bereiche des Pflegekinderdienstes und Adoption ausgebaut werden müssen. Gräve: „Wir qualifizieren Eltern dazu, ein Pflegekind in die Familie aufzunehmen, damit diese die ganz spezielle Situation und den Umgang mit einem Pflegekind meistern zu können. Wir sorgen für die Qualifizierung der Pflegeeltern, um einen solchen Alltag mit seinen komplexen Anforderungen bewältigen zu können.“ „Diese Bandbreite an Aufgaben macht die Arbeit in einem Jugendamt so spannend“, betont Sissi Gräve abschließend.

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