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Datum:24.01.2020
Kategorie: ProJob
Autor: Pressestelle

IHK-Zertifikat ist ein symbolisches Zeichen für den Integrationswillen

Evva Al Adrah (Mitte), Susanne Polacsek (links) und Ivana Habersack von der ProJob

Syrerin absolvierte erfolgreich die Umschulungsmaßnahme zur Hauswirtschafterin in der ProJob Rheingau-Taunus GmbH

„Ich habe das Heulen der Raketen und die Einschläge gehört. Auch die Salven der Maschinengewehre sind noch in meinem Kopf“, erzählt Evva Al Adrah. Das war 2012 in Homs (Syrien), ihrer Heimatstadt. Dort lebte Evva Al Adrah mit den zwei Töchtern im Teenageralter; ihr Mann arbeitete damals als Bauingenieur außer Landes, in Saudi-Arabien. „Der Bürgerkrieg begann in Syrien und in Homs standen wir schnell im Fokus des mörderischen Konfliktes“, berichtet die heute 45-Jährige und weiter: „Aus der umkämpften Stadt schnell wegzukommen, das war mein einziges Ziel damals.“ Durch das Arbeitsverhältnis des Ehemannes gelang der Umzug nach Saudi-Arabien. Die Probleme mit dem Glauben blieben auch dort: „Meine Töchter und ich mussten Kopftücher und die Burka tragen. Wir sollten zum Islam konvertieren.“ Familie Al Adrah entschied sich dagegen. Mit Hilfe eines Verwandten erhielt sie ein Visum für Deutschland, wo sie Asylanträge stellten: „2013 kamen wir hier an, konnten kein Wort Deutsch!“
Am Mittwoch sitzt Evva Al Adrah nun strahlend im Büro der ProJob Rheingau-Taunus GmbH. Stolz ist sie, was jeder im Raum ihr ansieht. In der Hand hält sie das Zertifikat der IHK, das ihr, die einst als Friseurin in ihrer Heimatstadt Homs arbeitete, eindrucksvoll bestätigt, die Umschulungsmaßnahme zur Hauswirtschafterin in der ProJob GmbH erfolgreich absolviert zu haben. Es ist aber vor allem das symbolische Zeugnis für den Integrationswillen der gesamten Familie Al Adrah, die nach ihrer Ankunft in Deutschland 2013 regelrecht durchstartete und 2020 einen bemerkenswerten Werdegang vorzeigen kann. „Mein Mann arbeitet als Bauingenieur für eine Straßenbaufirma, eine Tochter studiert Pädagogik, die zweite Bauingenieurwesen“, erläutert sie voller Stolz. Mit dem Zertifikat verfügt nun auch die 45-Jährige über eine hervorragende, berufliche Perspektive.
Da ist es durchaus verständlich, dass es zahlreiche Glückwünsche von ProJob-Geschäftsführer Martin Glaub, von Abteilungsleiter Markus Faust und seinen Kolleginnen Susanne Polacsek und Ivana Habersack „hagelt“. Letztere begleiteten Evva Al Adrah in den vergangenen Jahren auf ihrem Fortbildungsweg und wissen, wie ehrgeizig und intensiv die 45-Jährige gelernt und gearbeitet hat, um ihre Umschulung in der ProJob erfolgreich zu absolvieren.
Die Umschulungsmöglichkeit „zum Hauswirtschafter mit sozialpädagogischer Begleitung als zugelassene Weiterbildungsmaßnahme für die Förderung der beruflichen Weiterbildung“ gibt es in der ProJob seit 2012, erläutert Faust. Die Maßnahme eignet sich besonders gut für Personen, die bisher über keine Berufsausbildung verfügen oder Migranten deren Ausbildung nicht anerkannt ist. „Im Fall von Evva Al Adrah mussten wir zunächst einmal Erfahrungen sammeln. Das war wirklich Neuland für uns“, so der Abteilungsleiter. Zumal die Umschulung im Betrieb ProJob und in der Berufsschule, der Louise-Schröder-Schule, erfolgte. „Wir haben jedoch nie bereut, Evva genommen zu haben“, beteuert Susanne Polacsek: „Ganz im Gegenteil!“. „Natürlich war der Weg steinig, kompliziert und schwierig“, ergänzt die 45-Jährige, die sich an die Anfänge - ebenso wie Faust und Polacsek - erinnert: „Schnell war uns klar, dass es mit den im B 1-Kurs erworbenen Deutschkenntnissen nicht reichen wird, um die Umschulung zu absolvieren.“ „Zumal, wenn man bedenkt, dass in der Maßnahme - und gerade in der Berufsschule - jede Menge Fachbegriffe benutzt werden“, so Faust.
Faust: „Wer weiß, was ein Fersenriemen an einem Arbeitsschuh ist?“ Zudem wird vor allem im Fach Wirtschaftskunde beste Deutschkenntnisse verlangt. „Dort werden Fragen mit doppelter Verneinung gestellt, geht es um Verträge, Jugendschutzgesetz oder Versicherungen. Ein kompliziertes Unterrichts- und später Prüfungsfach, an dem auch viele Einheimische scheitern“, so der ProJob-Abteilungsleiter.
Evva Al Adrah: „Im Unterricht saß ich zu Beginn mit Wörterbuch und Handy, um mir die Fachbegriffe zu übersetzen. Ich wollte ja alles verstehen.“ Zudem buchte sie einen zweiten Deutsch-Kurs bei der vhs, wohin sie abends ging. Bei ihrem Engagement wurde die Syrerin von ihrem Ehemann und den beiden Töchtern immer unterstützt: „Mein Mann hat mir den Rücken gestärkt und freigehalten. Die Töchter sagten: ‚Probiere es aus!‘ Sie haben mich immer wieder gepusht. Dies geschah auch in Zeiten, in denen die Frustration sehr groß war und Tränen flossen, weil ich schlechte Noten wegen der erheblichen Sprachprobleme mit nach Hause brachte.“ Doch solche Erlebnisse stachelten den Ehrgeiz der 45-Jährigen noch weiter an. Sie lernte weiter; auch wenn „die komplizierte deutsche Grammatik mich bald um den Verstand bringt“, wie sie gesteht.
Um viel Deutsch zu sprechen, suchte die Familie, die in Idstein lebt, Kontakte zu vielen Deutschen. „Das hilft ungemein“, so ihre Erfahrung.“ Auch die Lehrerinnen und Lehrer in der Berufsschule unterstützen sie. „Ganz wichtig war auch die sozialpädagogische Betreuung in der ProJob, die obligatorisch für alle Teilnehmer ist und die Wiederholungen des Unterrichtsstoffs mit Nachhilfelehrerin Anne Lauterbach“, berichtet Susanne Polacsek.
Vor wenigen Wochen folgte die Prüfung nun vor der IHK: Im theoretischen Teil sollte Evva Al Adrah ein - weihnachtlich dekoriertes - Kuchenbuffet für zwölf Personen vorbereiten. Susanne Polacsek: „Dazu gehören unter anderem die Planung, Kalkulation der Kosten, Beachtung von Hygiene- und Arbeitsschutz-Vorschriften und anschließend die Umsetzung. Die Prüfungskommission vergab 91 von 100 möglichen Punkten - eine 2+ - und war begeistert“, erzählt die Maßnahmenleiterin. Bei den schriftlichen und mündlichen Prüfungen hätte sich Evva Al Adrah mehr Zeit gewünscht, und „dass die eine oder andere Frage auch umschrieben wird“. Am Ende bekam sie die Gesamtnote 3. „Ein großer Erfolg“, so Martin Glaub.
Nun stehen Bewerbungen bei der 45-Jährigen an. Der Dienstleistungssektor Hauswirtschaft ist nach den Worten von Markus Faust ein Beruf, der vielerlei Anstellungsmöglichkeiten bietet: in Seniorenheimen, Großhaushalten, Krankenhäusern, Schulkantinen oder Betreuungseinrichtungen in Kindertagesstätten, die Gastronomie und Hotellerie. „Ich kann mir gut vorstellen, in Kantinen von Schulen oder Kitas mit Mittagsbetreuung tätig zu sein. Auch der Pflegebereich ist denkbar“, betont die Syrerin, die unter Umständen noch die Erzieherinnenausbildung anschließen will. „Aber erst will ich arbeiten“, sagt sie. Martin Glaub: „Wir vermitteln Arbeitgebern gerne den Kontakt zu Frau Al Adrah.“

Foto:
Evva Al Adrah (Mitte) hat es geschafft: Das Zertifikat der IHK weist sie als Hauswirtschafterin aus. Susanne Polacsek (links) und Ivana Habersack von der ProJob gratulieren der Umschülerin, die sie in den vergangenen Jahren betreuten und weiterbildeten.

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