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Datum:09.07.2020
Kategorie: ProJob
Autor: Pressestelle

„Die Teilnehmer gehen wieder aufrecht, glauben an sich“

Sozialraumprojekt in Geisenheim: Nach dem Lockdown werden die Aktivitäten für Langzeitarbeitslose „wieder hochgefahren“ / Netzwerk weiter ausbauen

Wie sich der deutsche Arbeitsmarkt in den kommenden beiden Jahren - nach der Corona-Pandemie - entwickeln wird - das kommt vielen dem Blick „in die Kugel“ einer Wahrsagerin gleich. Steigt die Zahl der Kurzarbeiter wie der Arbeitslosen insgesamt noch weiter an oder „springt die Wirtschaft wieder an“? Niemand weiß es derzeit so genau. Doch für Resignation und Pessimismus fehlt die Zeit; zumal wenn es auch positive Beispiele gibt, die Mut machen und - ganz entscheidend - Langzeitarbeitslosen Perspektiven für das künftige Berufsleben aufzeigen. Das Sozialraumprojekt im Kreisgebiet ist dafür ein gutes Beispiel. „Wir können auf die gemachten Erfahrungen - von vor Beginn der Corona-Krise - zurückgreifen und das Bewährte und damit die erfolgversprechenden Ansätze für unser Klientel punktgenau nutzen“, betonen Laura Brennert und Katja van der Las, Mitarbeiterinnen der ProJob Rheingau-Taunus im Sozialraumprojekt.

Das Projekt unterstützt Langzeitarbeitslose auf deren Weg zurück in den ersten Arbeitsmarkt und basiert auf einem durchdachten Konzept. Langzeitarbeitslose aus einer Kommune werden durch das Kommunale JobCenter Rheingau-Taunus mit der ProJob GmbH und - im Fall von Geisenheim - mit Bürgermeister Christian Aßmann zusammengebracht. „Das Sozialraumprojekt basiert auf den vorhandenen Kontakten, die ein Bürgermeister und seine Verwaltung zur heimischen Wirtschaft, zu den Betrieben vor Ort hat. Viele freie Arbeitsplätze in einer Kommune werden von Mund-zu-Mund innerörtlich weitergeben“, erläutert Peter Fahnemann vom Kommunalen JobCenter des Kreises in Rüdesheim. Bewährt hat sich das Projekt, das vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration gefördert wird, bereits in Oestrich-Winkel, Aarbergen / Hohenstein, Eltville und Taunusstein. Jeweils 15 Teilnehmer sind in der Gruppe; eine erste begann in Geisenheim im September 2019, die zweite war für April 2020 eingeplant.

„Wer über viele Jahre keinen beruflichen Erfolg hat, von einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zur anderen wechselt und viele hundert Bewerbungsschreiben versendet, die mit einer Ablehnung zurückkommen, der resigniert, der zieht sich zurück und fühlt sich nicht gebraucht. Zudem gibt es oft psychische Erkrankungen“, berichtet Laura Brennert. Katja van der Las ergänzt: „Unsere Arbeit beginnt damit, den Projekt-Teilnehmern wieder genug Selbstbewusstsein zu vermitteln.“ Durch die Anwesenheit von Bürgermeister oder Mitarbeitenden der Stadtverwaltung empfinden die Langzeitarbeitslosen eine Wertschätzung, die zu einer psychischen wie physischen Veränderung führt: „Die Teilnehmer gehen wieder aufrecht, glauben an sich und das ist gut so“, erzählt Laura Brennert.

Diese Motivation gelang bei Lucie (Nachname bekannt), Mitte 30, alleinerziehende Mutter eines achtjährigen Kindes aus Geisenheim. „Sie war gleich hochmotiviert“, erinnert sich Christian Aßmann. Es folgten Praktika, eine Probearbeit in einer Bäckerei und dann die Einstellung in einem Hotel. Die berufliche Zukunft schien gesichert. „Lucie hatte alles geregelt, Arbeitszeit und Betreuung des Kindes…“, sagt Laura Brennert. Doch dann kam das Corona-Virus und der Lockdown: Das Hotel schloss seine Pforten im März wegen Corona und Lucie stand wieder - unverschuldet - „auf der Straße“. „Ende März mussten wir zudem unsere wöchentlichen Treffen des Sozialraumprojektes in der Scheune in Geisenheim beenden. Die Kontakte mit den Teilnehmern hielten wir nur noch über Telefon, Chat, Videobotschaften, etc.“, so Katja van der Las. „Das geht eine Zeit lang gut. Wir benötigen aber den persönlichen Kontakt“, ergänzt Laura Brennert. Umso mehr freuen sich beide, dass das Projekt nun „wieder hochgefahren wird“. Es gibt einen Hygieneplan und auch einen Garten, „in den wir mit den fünf Teilnehmern der zweiten Gruppe ausweichen können. Die Corona-Regeln werden strikt eingehalten.“

„Wir wussten uns zu helfen, um die Teilnehmer corona-konform zu unterstützen“, erzählen sie. Auch Lucie ließ sich nicht entmutigen und als die Nachricht kam, waren allen Beteiligten überglücklich. Brennert: „Lucie hat zum 1. August eine Stelle in einer Schulmensa in Mainz angenommen. Die ersten Gespräche verliefen sehr positiv und ihr wurde auch sogleich Verantwortung zugeteilt.“ So ein Ablauf sorge bei allen Teilnehmern für Zufriedenheit, weil „sie sehen, dass sich ihr Einsatz lohnen kann“, betont der Bürgermeister, der zusammen mit den beiden Coaches noch zwei weiteren Teilnehmern des Projektes eine „frohe Botschaft“ Anfang Juli übermitteln konnte: „Die beiden Männer erhalten Praktikumsplätze im Bauhof der Stadt und kümmern sich um das Grün in Geisenheim.“

„Das Sozialraumprojekt ist nicht nur erfolgversprechend. Das ‚Versprechen“ eine Arbeit zu erhalten, wird in vielen Fällen auch eingehalten. Wer es mit Energie, Motivation, Engagement, und starker Willenskraft angeht, für den ist der berufliche Erfolg in Form eines Arbeitsplatzes nahe“, so lautet die Erfolgsformel des Projektes. Der Aufbau des Netzwerkes hilft ebenso wie die Eigeninitiative der Teilnehmenden. „Die Teilnehmer bringen sich mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und Vorstellungen mit in unsere Arbeit im Projekt ein“, erwähnt Katja van der Las und weiter: „Wir gehen dabei neue Wege!“ Pfiffige Ideen werden vorgeschlagen und umgesetzt. Auf Vorschlag aus der Gruppe fertigte jeder einzelne Teilnehmer eine Kurzbewerbung mit seinem Profil auf einer DIN-A-4-Seite an. Darauf sind die Qualitäten und Qualifikationen kurz und prägnant aufgeführt. Eine Teilnehmerin: „Diese Kurzbewerbung können wir einem Arbeitgeber in die Hand drücken, der schnell erkennen kann, ob man geeignet für den ausgeschriebenen Job ist.“

Diese Empfehlungsschreiben ließ sich Bürgermeister Christian Aßmann überreichen, um sie an potentielle Arbeitgeber weiterzugeben. Eine Geisenheimerin hatte die Idee für einen Flyer, der über ihre beruflichen Qualifikationen Auskunft gibt und somit als erste kurze Bewerbung dient. „Wir benötigen dieses in Netzwerk, das im Rahmen des Sozialraumprojektes entstanden ist, um Langzeitarbeitslose wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Ich sehe darin auch eine nachhaltige Wirtschaftsförderung für die Region“, würdigte Christian Aßmann das Sozialraumprojekt als wichtigen Baustein für eine erfolgreiche, regionale Arbeitsmarktpolitik.

Die nachhaltige Wirkung des Projektes zeigt sich auch am Beispiel Eltville. Dort besteht die Gruppe weiter, die sich aus Teilnehmern des Sozialraumprojektes in der Wein-, Sekt und Rosen-Stadt vor knapp zwei Jahren bildete. Dadurch ergibt sich eine enge Verzahnung zwischen allen Beteiligten, damit von den gemachten Erfahrungen in anderen Kommunen profitiert werden kann.

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