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Datum:09.11.2018
Kategorie: Energie
Autor: Pressestelle

Die Biomassen­nutzung steht am Scheideweg

Landrat Kilian und Kreis-Landwirt Thomas Kunz hatten zur Informationsveranstaltung eingeladen / Wichtiges Standbein der angestrebten Energiewende

Am Ende der Informationsveranstaltung wirkten fast alle Anwesenden irritiert und ratlos. Denn das Gehörte über die Biomassennutzung stimmte niemanden optimistisch: Hinweise auf komplizierte Verfahren, um die Biomasse zu Strom oder Wärme umzuwandeln, künftig geringere finanzielle Erträge und fehlende Signale aus der Politik ließen sehr nachdenkliche Landwirte zurück. Noch vor wenigen Jahren wurde die Biomasse als die vielseitigste und bedeutendste aller erneuerbarer Energieträger und somit als ein wichtiges Standbein für die angestrebte Energiewende angesehen. Ende 2018 steht nun die Biomassennutzung am Scheideweg, gibt es zu viele ungeklärte Fragen. So klang dann auch das Fazit von Thomas Kunz, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, eher nüchtern: „Es gibt noch viel zu tun. Wir müssen an vielen Stellschrauben drehen. Zudem gilt es in unserer Bevölkerung eine Bewusstseinsänderung herbei zu führen.“
Landrat Frank Kilian und Kunz hatten gemeinsam zu der Informationsveranstaltung zur Biomassennutzung für Landwirte im Kreishaus eingeladen. Unter „Biomasse“ versteht man die Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Reststoffe, wie etwa Holz, und die Nutzung speziell angebauter Energiepflanzen, wie etwa Raps oder Mais, zur Erzeugung von Strom, Wärme und Treibstoffen. Die Resonanz auf die Einladung war leider überschaubar, auch „weil es vor zehn Jahren einen deutlichen Trend hin zur Nutzung von Biomasse gab, daraufhin etwas aufgebaut wurde, was man jetzt wieder einreißt“, so Thomas Kunz.

Dieser Trend ließ sich auch an den Zahlen von Referent Falk von Klopotek von „HessenEnergie“ nachweisen: „Etwa 350 Biogasanlagen gibt es derzeit in Hessen, keine im Rheingau-Taunus-Kreis. In Kemel ist ein Biomasse-Kraftwerk in Betrieb.“ Betreiber von solchen Anlagen - in vielen Fällen Landwirte - erhalten im Rahmen des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG) Vergütungen für den Strom, den sie ins Stromnetz einspeisen. Klopotek: „Wir haben aber Biogasanlagen, die vor etwa zwei Jahrzehnten gebaut wurden. Nach 20 Jahren fallen diese aber aus der Förderung des EEG heraus, so dass sich viele dieser Anlagen nicht mehr wirtschaftlich betreiben lassen.“ Werden Anlagen dann geschlossen, könnten die ambitionierten Ziele für die Energiewende bis 2020 nicht mehr erreicht werden.

Doch es gibt noch weitere Aspekte. Sollen Landwirte verstärkt Raps für die Produktion von Kraftstoffen auf ihren Feldern anbauen? Kunz gibt dazu zu bedenken: „Wir Landwirte sind eigentlich für die Produktion von Lebensmitteln für die Bevölkerung zuständig!“ Manfred Vogel vom Energiedienstleistungszentrum des Kreises wies in seinem Referat zudem darauf hin, dass etwa die Nutzung von Rückständen von Weizen-Pflanzen für die Wärmeproduktion derzeit noch kompliziert sei. Können nachwachsende Rohstoffe den Bedarf decken? Falk von Klopotek: „Es gibt eine Debatte um die Nachhaltigkeit des Waldes und die Fragestellung, was zukünftig noch dem Wald entnommen werden darf?“ Zudem werde den Landwirten noch eine weitere Aufgabe übertragen. „Wir sollen uns auch um den Landschaftsschutz kümmern“, so Landwirt Olaf Pulch.

Doch gerade die Betreiber des Biomasse-Kraftwerks in Kemel setzen bei der CO2-neutralen Erzeugung von Strom und Wärme auf naturbelassene, sogenannte nachwachsende Rohstoffe, wie beispielsweise waldfrisches Restholz, Baum- und Grünschnitt sowie Schnittgut aus der Landschaftspflege. Die Anlage ist auf eine Brennstoffmenge von jährlich rund 32.000 Tonnen Biomasse ausgelegt, welches aus der unmittelbaren Umgebung stammt. Die elektrische Leistung der Anlage liegt bei 2,75 Megawatt, womit im Vollbetrieb jährlich rund 22 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt und in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Damit können etwa 5.500 Haushalte mit zwei bis drei Personen mit Strom versorgt werden, wie Landrat Kilian erläuterte.

In der Diskussion verweist der Vorsitzende des Kreis-Bauernverbandes zudem auf ein neues Verfahren, bei dem Gras zur Herstellung von Papier und Dämmstoffen genutzt werde. Ein Unternehmen mit Schweizer Wurzeln und Sitz im Odenwald wende das Verfahren an.
Einig waren sich die Teilnehmer der Veranstaltung in der Einschätzung, dass die Energiewende nur dann gelingen kann, wenn Einsparungspotentiale noch effektiver genutzt werden, etwa bei der Wärme-Dämmung von Häusern, mehr Photovoltaik-Anlagen - gerade auch auf den Dächern von Privathäusern - und Nahwärmenetze installiert werden. Zudem müsse sich die Politik Pro-Biomassennutzung positionieren und das Thema nicht ständig totschweigen. Und es muss zu einer Bewusstseinsveränderung in der Bevölkerung kommen. „Denn nur mit den Menschen zusammen können wir diese genannten Aufgaben leisten“, so Thomas Kunz abschließend.

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