FREISTAAT FLASCHENHALS

Der Freistaat Flaschenhals existierte nach den Wirren des Ersten Weltkrieges vom 10. Januar 1919 bis 25. Januar 1923. Was sich heute wie ein launiger Scherz anhören mag, war noch vor 90 Jahren ein einzigartiger Kleinstaat.

Um auf der östlichen Seite des Rheins militärisch präsent zu sein, wurden von den Siegermächten bei Köln, Koblenz und Mainz halbkreisförmige Brückenköpfe mit einem Radius von 30 km eingerichtet. Die Brükenköpfe von Mainz (französisch) und Koblenz (amerikanisch) berührten sich bei Laufenselden im Taunus und hinterließen einen freien Raum zwischen sich: Ein unbesetztes Gebiet in Form eines Flaschenhalses. Der Freistaat Flaschenhals, ein winziger Freistaat, der, abgeschnitten vom übrigen Deutschland, in seiner Existenzmöglichkeit stark eingeschränkt war.

Die Verwaltung des Freistaates wurde vom Lorcher Bürgermeister organisiert, der auch das Freistaatgeld einführte - eine heute bei Sammlern begehrte Rarität.
Die Versorgung der 8.000 Einwohner, die in den Städten Lorch und Kaub sowie mehreren kleineren Gemeinden lebten, war äußerst schwierig. Straßenverbindungen ins unbesetzte Deutschland fehlten, so dass der gesamte Waren- und Postverkehr nur auf Schmuggelpfaden möglich war. Die Eisenbahnnutzung kam völlig zum Erliegen, weil kein Zug im Freistaat halten durfte.
Wein aus dem besetzten Rheingau wurde nachts mit Ochsenkarren über Waldwege transportiert, um ihn vor dem Zugriff durch die Besatzungssoldaten zu bewahren. Die Lagerung in Lorcher und Kauber Kellern förderte den Ausbau der Weine so sehr, dass diese Jahrgänge noch heute bei Auktionen höchste Preise erzielen.
Am 25. Februar 1923 wurde der Freistaat von französischen Truppen besetzt, die am 16. November 1924 wieder abzogen.

Die Freistaat Flaschenhals Initiative

Zum 75. Jahrestag des historischen Freistaates Flaschenhals wurde 1994 die FFI von engagierten Winzern und Gastronomen aus der Taufe gehoben. Ihre Mitglieder haben sich verpflichtet, Weine zu erzeugen, die über den gesetzlichen Qualitätsnormen liegen und in Verbindung damit gebietstypische Speisen dem Gast anzubieten. Ein gemeinsames Weinetikett bürgt für Anspruch und erlesenen Genuss. In Restaurants und Gutsschänken sowie in urigen Straußenwirtschaften kann der stets willkommene Gast eine breite Palette freistaatlicher Weine, Winzersekte und Edelbrände zu den Speisen aus heimischen Büschen, Feldern und Wäldern genießen.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage des "Freistaates Flaschenhals".

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