TAUNUSSTEIN

Eine atemberaubende Entwicklung hat Taunusstein, die größte Stadt im Kreisgebiet, in den vergangenen drei Jahrzehnten durchgemacht. Was sich heute als Stadt Taunusstein darstellt, waren zu Beginn der 70er Jahre noch zehn selbständige Gemeinden. Jede dieser Stadtteile hat ihre Besonderheiten aufzuweisen. So kann Bleidenstadt auf eine über 1200-jährige Geschichte zurückblicken.

Wehen

Urkundlich wurde das Wehener Schloss erstmals 1227 n. Chr. im Zusammenhang mit dem seinerzeit in Wehen ansässigen Adelsgeschlecht de Wehena erwähnt. Unter Graf Gerlach I. wird Wehen 1323 zur Stadt erhoben und mit einer Stadtmauer befestigt. Im weiteren Verlauf entwickelt sich zwischen den Vögten des Klosters Bleidenstadt, Grafen des Hauses Nassau, mit ihrem aufstrebenden Wehen und den Äbten des Klosters und der bisher dort etablierten kirchlichen Macht ein Ringen um die politische Vorherrschaft an der Oberen Aar, die das Haus Nassau schließlich zu seinen Gunsten entscheiden kann.

1599 wird in Wehen die erste Schule gegründet und auch im Zuge des Wiederaufbaues und der Neubesiedelung nach dem 30-jährigen Krieg gehen die größten Impulse für die Region von Wehen aus.

Der Amtsort für den Wehener Grund (grob umrissen zwischen Kirberg, Idstein, Bad Schwalbach und Wiesbaden gelegen) erhält Wehen 1744 eine Poststation (Haltepunkt und Pferdewechselstation der Postkutschen) der Thurn- und Taxischen Post und wird dank Karl von Ibell (nassauischer Staatsmann, geboren im Wehener Schloss, beteiligt an der ersten nassauischen Verfassung von 1814; - wie Emil Erlenmeyer ein bedeutender Wehener Bürger, nach ihm wurde der Erlenmeyerkolben benannt) 1815 erneut Amts- und Verwaltungszentrale. 1942 endet unter dem Nazi-Terror die über 600-jährige Geschichte der jüdischen Cultusgemeinde Wehen.

Wehener Schloss, genutzt unter anderem als Witwensitz und Jagdschloss. Dort befindet sich heute das Taunussteiner Museum.

Klosterkirche Bleidenstadt

Als erste urkundliche Erwähnung gilt eine Abschrift der Weihenotiz für die ehemalige Klosterkirche von 812 n. Chr. Das während der Amtszeit des Mainzer Erzbischofs Lullus (754 bis 786 n. Chr.) entstandene Benediktinerkloster gilt als frühestes und bedeutendstes Beispiel mainzerischer Eigenklöster neben Hersfeld und kann als Keimzelle der Kultur an der Oberen Aar angesehen werden. 1495 wurde das Kloster in ein weltliches Ritterstift umgewandelt und 1803 säkularisiert. Bis zum 12. Jahrhundert Mittelpunkt der kirchlichen und weltlichen Macht und das Leben der abgabepflichtigen Bevölkerung weit gehend bestimmend, verlor das Kloster nach 1298 zumindest an politischer Dominanz, da der zum Vogt des Abtes bestimmte Graf Gerlach I. in Wehen eine „eigene Machtzentrale" aufzubauen begann und sich letztendlich erfolgreich durchsetzen konnte.

Ehemaliges Kloster mit Kirche (heute Pfarrkirche der katholischen Pfarrei St. Ferrutius). Über dem Hauptportal der Kirche befindet sich die Statue des heiligen Ferrutius (Schutzpatron) aus dem 17. Jahrhundert, im Gebäude ein im Chor eingebauter Wandtabernakel aus Sandstein aus der Zeit der Hochgotik, ein Taufstein von 1696, eine spätbarocke Madonnenfigur und eine mit barockem Umbau versehene Orgel. Zu den Besonderheiten zählen auch die zwei Glocken im Turm aus den Jahren 1309 und 1411.

Limes Orlen

Erstmals 1339 n. Chr. wurde der Orlener Limes urkundlich erwähnt. Nahe des Stadtteils wurde um 90 n. Chr. das römische Kastell Zugmantel erbaut. Der hier einst verlaufende Limes zählt zu den ältesten Abschnitten des obergermanischen Limes, hier ließen sich die verschiedenen Ausbaustufen sowohl der Grenzbefestigung als auch des Kastells gut nachvollziehen. Der sich durch die alte Handelsstraße (Hünerstraße, die vom Vortaunusraum um Mainz/Wiesbaden zur nächsten germanischen Siedlung im Gießener Becken führte) und der im Lagerdorf ansässigen Handwerker und Händler entwickelnde Grenzhandel wird als Ursprung des heute noch alljährlich stattfindenden „Orlener Marktes" angesehen.

Weitere Auskünfte:
Stadt Taunusstein Rathaus,
Aarstraße 150
65232 Taunusstein


Tel. 06128 241-0
Fax 06128 241172

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