Wer
fasziniert ist von Geschichten, Sagen und Legenden, wer den Flair vergangener
Jahrhunderte sucht und all das mit ungestörtem Flanieren durch die
einladende Fußgängerzone verbinden möchte, der findet es
in Idstein.
Man
muss nicht lange suchen, um die vielen malerischen Baudenkmäler dieser
einstigen Residenz nassauischer Grafen und Fürsten erleben und genießen
zu können. Was sich hier in der Altstadt dicht gedrängt präsentiert,
ist beeindruckend. Angefangen beim Hexenturm, dem Wahrzeichen
der Stadt, über das historische Rathaus bis zur Unionskirche:
auf Schritt und Tritt erzählen Zeugen der Vergangenheit ihre bewegte
Geschichte.
Idstein ist eine jung gebliebene Stadt. Besonders eindrucksvoll zeigt
sich das bei den vielen Festen – allen voran beim Idstein JazzFestival,
eines der größten Jazzfestivals in Deutschland. Für ein
langes Sommerwochenende wird die Altstadt zu einer einzigen, großen
Musikbühne.
Das Schloss
Das
im Renaissancestil erbaute Schloss wurde unter Einbeziehung älterer
Gebäudeteile zwischen 1614 und 1634 errichtet. Bauherren waren die
Grafen Ludwig II. (1565 - 1627) und sein Sohn Johannes (1603 - 1677),
Baumeister Jost Heer und sein Sohn Henrich. Henrich Heer erbaute sich
ein Wohnhaus auf der Obergasse (heute Höerhof).
Fürst Georg August Samuel (1665 -1721) ließ in erster Linie
Veränderungen im Inneren des Schlosses durchführen. Sein Baumeister
war Maximilian von Welsch. Der Deckenstuck und die Deckenmalereien, die
sich erhalten haben, stammen aus dieser Zeit.
Nach Erlöschen der Linie Nassau-Idstein 1721 diente das Schloss
verschiedenen Zwecken: Nassauisches Zentralarchiv 1728 - 1881 (ab 1866:
preußisch); Genesungsheim für Familienmitglieder von Angehörigen
der Preußischen Armee (1905 - 1914), Reservelazarett (1914 - 1918),
Kaserne der französischen Besatzung (1919 - 1925); später Landschulheim,
Studentenwohnheim, Lehrerbildungsanstalt und erneut Lazarett. 1946 wurde
die neugegründete Pestalozzischule, eine Aufbauschule mit Internat,
eingerichtet.
Zwischen 1988 und 1992 wurde das Schloss grundsaniert und in Raumbedarf
und -zuschnitt weitestgehend den Erfordernissen eines modernen Schulbetriebs
angepasst. Heute ist die Pestalozzischule ein Gymnasium des Rheingau-Taunus-Kreises
(5. bis 13. Schuljahr).
Text: Stadtarchivarin Christel Lentz, 2003
Das Killingerhaus
Das schönste aller Fachwerkgebäude Idsteins ist wohl das sogenannte
Killingerhaus, das im Jahr 1615 durch den gräflichen Amtsschreiber
Johann Conrad Killing (+1630) und seiner Ehefrau Anna Margarethe Loeber
erbaut wurde. Frau Killing war die Tochter des nassauischen Vogtes in
Bad Ems.
Bedauerlicherweise
liegen über die Erbauungsgeschichte des Hauses und seine kunstvollen
Schnitzereien kaum gesicherte Erkenntnisse vor. Daher konnten sich Legenden
um das Haus bilden, die allerdings konkreten Nachforschungen nicht standhielten.
Es kann nachgewiesen werden, daß der Dienstherr Killings, Graf Ludwig
II., seinem Amtsschreiber Bauholz zukommen ließ. 1911 wurde der
dreiflügelige sog. Fränkische Erker, der jetzt den
Erkervorbau im 1. Obergeschoss des Höerhofs schmückt, aus dem
Killingerhaus ausgebaut.
Nach dem Tod des kinderlos gebliebenen Ehepaars Killing hatte das Haus
unterschiedliche Eigentümer. Ab 1905 war es Bäcker Thimig, der
später auch eine Konditorei mit Café - es gab „Gefrorenes!“
- im Erdgeschoß betrieb. In den Obergeschossen lagen Wohnungen.
1916 kaufte die Stadt das Anwesen. Nach dem zweiten Weltkrieg beherbergte
das Haus u.a. die Stadtbücherei und bis 1969 die Polizeistation.
Zwischen 1981 und 1984 wurde das Gebäude saniert, restauriert und
das Dachgeschoss ausgebaut. Heute ist das Tourist-Info im Erdgeschoss
untergebracht und das Stadtmuseum in den Obergeschossen.
Text: Stadtarchivarin Christel Lentz, 2003
Die Unionskirche
Die heutige evangelische Unionskirche wurde anstelle eines wohl romanischen
Vorgängerbaues unter Einbeziehung älterer Gebäudeteile
um 1340 als „Stiftskirche St. Martin“ errichtet. Unter Graf
Johannes (1603 - 1677) wurde sie ab 1669 zu einer Predigt- und Hofkirche
umgestaltet. Bemerkenswert ist die üppige Verwendung von Lahnmarmor
für Arkaden und Säulen, für Taufstein, Altar, Kanzel und
Grabmäler.
Sofort gefangen ist jeder Besucher von der für eine evangelische
Kirche ungewöhnlichen Deckengestaltung: 38 großformatige Leinwandgemälde
nach biblischen Themen, ausgeführt in Rubensscher Manier von Michael
Angelo Immenraedt und Johann von Sandrart, zieren Decke und Obergaden.
Kupferstiche von Anton van Dyck lieferten die Vorlagen zu den Apostelköpfen
in den Arkadenzwickeln.
Die Kirche war Grablege der Grafen und Fürsten von Nassau. Grabmäler
für Herrscher, Adel und Bürgerliche erinnern an deren Leben
und Wirken in Idstein. Das prunkvollste Grabmal (links vom Altar) ist
Idsteins letztem Herrscher, Fürst Georg August Samuel, seiner Gemahlin
Henriette Dorothea und sieben Kindern des Fürstenpaares gewidmet.
(Entwurf Maximilian von Welsch, Ausführung Franz Matthias Hiernle,
Mainz). Die Kirche heisst seit 1917 Unionskirche zur Erinnerung
an die 1817 in Idstein geschlossene Union zwischen Lutheranern und Reformierten
in Nassau.
Text: Stadtarchivarin Christel Lentz 2003
Weitere Auskünfte:
Tourist-Info Idstein
König-Adolf-Platz (Killingerhaus)
65510 Idstein
Tel. 06126 - 78 215
Fax 06126 - 78 280
info@idstein.de
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