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Datum:18.06.2014
Kategorie: Bahnlärm
Autor: Pressestelle

"Wir brauchen klare, gesetzliche Regelungen"

Kreisbeigeordneter Karl Ottes nahm an Bahnlärm-Konferenz in Lahnstein teil / Lärmproblematik ist endlich ein öffentliches Thema

"Die Fahrt von Rüdesheim bis nach Lahnstein hat viele unterschiedliche Facetten, weshalb Touristen aus der ganzen Welt ins Mittelrheintal pilgern, um die wunderbare Landschaft zu genießen", betont Kreisbeigeordneter Karl Ottes, zuständig für das Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal. Gewaltige, imposante Burgen auf den Anhöhen wechseln sich mit geschichtsträchtigen Städten mit vielen altehrwürdigen Gebäuden und Kirchen - umringt von Stadtmauern - ab und zwischen den Felsen fließt der friedliche Rhein. Doch da ist auch noch ein anderes Bild: Häuser, die verfallen, die nicht bewohnt sind und damit "Opfer" der Bahnstrecke mit ihren bis zu 500 Güterzügen am Tag und in der Nacht. Und wieder rauscht ein Güterzug mit einem hohen Lärmpegel durch das Mittelrheintal. Die Zeit zum Genießen der Landschaft ist damit vorbei.

Damit sich das ändert, hatten Roger Lewentz, Infrastrukturminister des Landes Rheinland-Pfalz, der Schweizer Botschafter in Deutschland, Tim Guldimann und Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen, Michael Groschek, zu einer Konferenz gegen Bahnlärm eingeladen. Mit auf dem Podium saßen Michael Anslinger, Vorstandsvorsitzender der DB Schenker Rail Deutschland AG, die Lärmschutzbeauftragte der Bahn AG, Ines Jahnel, Dr. Jens Klocksin vom Bundesministerium für Verkehr, der Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen Bahnlärm, Willi Pusch, und Dr. Rudolf Sperlich vom schweizerischen Bundesamt für Verkehr. Ihr Fazit: Von der Schweiz lernen und sie als Vorbild nehmen. Was wiederum am Ende der Konferenz hieß: "Wir brauchen klare, gesetzliche Regelungen mit exakt festgelegten Terminen!"

Denn seit Mitte der 90 Jahre des vergangenen Jahrhunderts haben die Eidgenossen das Thema Bahnlärm in die öffentliche Diskussion gerückt. Und mittels Volksabstimmungen ließen sie auch gleich ihre Regierung wissen, wie der Schutz vor Lärm durch Züge reduziert werden kann, ohne die Leistungsfähigkeit der Bahn ("Wir Schweizer haben eine besondere Liebe zur Bahn", so Dr. Sperlich) einzuschränken. Zweieinhalb Mal mehr fahren unsere Nachbarn im Süden pro Jahr mit der Bahn wie wir Deutsche. Zudem gaben die Eidgenossen in der vergangenen Dekade zehn Mal mehr Geld für Lärmschutzmaßnahmen an ihrem Bahnnetz aus wie wir Deutsche.

Gerade wegen der Volksabstimmungen gibt es "ein Drohpotential in der politischen Kultur der Schweiz", so Sperlich. So gelangte das Thema Bahnlärm in die öffentliche Diskussion. Diese "Anerkennung der Lärmproblematik ist jetzt auch endlich in Deutschland vorhanden", betont dann auch Dr. Klocksin. Dass das Mittelrheintal und der Rheingau von einem Lärmteppich überdeckt wird, dass darunter die Gesundheit der Menschen in der Region leidet, dass der Tourismus als Wirtschaftsfaktor zerstört wird, und dass viele Immobilien leer stehen und nicht vermarktbar sind, darüber werde nun öffentlich diskutiert und es wird nach Lösungen gesucht.

Dabei steht ganz oben auf der To-Do-Liste: Die Umrüstung der teilweise uralten Güterwaggons. Deren Besitzer haben sich aber bereits kurz nach der Veröffentlichung des Koalitionspapiers der Großen Koalition in Berlin gerührt. Die Umrüstung auf die leiseren LL-Sohlen bis 2020 sei nicht möglich. Laut Michael Anslinger von DB Schenker Rail geht dies aber sehr gut. Von den bisher 69.000 zur Umrüstung beim zuständigen Bundesamt angemeldeten Waggons stammen 59.000 aus dem Bestand von Schenker Rail. Trotz Mehrkosten für die Flüsterbremsen sieht sich Anslinger in der Verantwortung.

Zudem kommt ein Ratschlag von Seiten der Schweiz: "An dem Termin festhalten und dies in Gesetzen festschreiben." Damit alle Beteiligten - gerade die privaten Besitzer von Güterwaggons wissen, dass es keine zeitliche Verschiebung gibt und die Entscheidung für eine Lärmreduzierung gefallen ist. Da muss dann aber auch die EU "mitspielen" und das verlangt dann auch Roger Lewentz: "Die Güter werden quer durch unser Land transportiert und wir sorgen damit für die Stabilisierung der Wirtschaft in Europa." Aus diesem Grund müsse Brüssel die Vorgaben zur Lärmreduzierung mittragen. Letztlich profitiert Deutschland aber auch von der Schweiz. "Die politischen und gesetzlichen Vorgaben aus der Schweiz, die Umrüstung der lauten Waggons bis 2020 durchzuführen, weil sonst kein lauter Güterzug mehr durch die Schweiz fahren kann, unterstützt die Forderungen in Deutschland", so Willi Pusch. Der BI-Vorsitzende ist sich dann auch sicher: "Wer bis 2020 seine Waggons nicht umgerüstet hat, kommt nicht mehr auf die Gleise." Zudem stellten Pusch und Lewentz noch einmal klar, dass es eine Alternativtrasse geben muss: "Der Güterverkehr muss raus aus dem engen Rheintal!"

Am Ende war es dann noch Botschafter Tim Guldimann mit einer Anregung: "In Deutschland fehlt mir eine Gesamtverkehrspolitik und eine gesamtgesellschaftliche Kostenermittlung, welche gesundheitlichen Folgekosten durch den Lärm entstehen." Nur alleine zu sagen, "wir wollen den Transport von Gütern von der Straße auf die Schiene heben", reiche nicht mehr aus. Es müsse ein Gesamtkonzept her.

 

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